Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Die Legion walt und haben sie zu einem Teil ihrer Anschauungen erhoben. S^e gehen von dem Grundirrtum aus, daß die Weltgeschichte mit Kanonen und Maschinengewehren gemacht werde und leiten daraus ihre militaristischen Forderungen ab. „Hat man," so fragte Jabolinsky rhetorisch den Kongreß, „Amerika und Australien mit Zustimmung der Abori- *giner kolonisiert?!" — Nun, ich bin der Überzeugung, daß Gewalt aut die Dauer nichts vermag und dort, wo sie scheinbare Erfolge erzieh, stets andere Kräfte (ökonomische und kulturelle) dahinter stehen. Ich bin auch der Überzeugung, daß die Tendenz der Geschichte mehr und mehr dahin geht, die (militärische) Gewalt einzuschränken und auszuschalten und alle Fragen friedlich zu lösen. Denn die Gewalt hat sich — rein vom militärischen Standpunkte aus gesehen — nicht als eine geschichtliche Zweckmäßigkeit erwiesen, wenn sie auch manchmal eine augenblickliche Zweckmäßigkeit sein mag. Aber davon abgesehen sind Ansichten, wie sie die Legionsfreunde haben und äußern, für unsere Bewegung gefährlich. Man darf doch nicht das Anormale unserer Lage vergessen. Die Juden sind nicht ein Volk, .das, auf ein mächtiges Vaterland gestützt, auf der Suche nach Kolonien ist, sondern die Juden sind ein Volk, das sich erst das Vaterland sucht! Und demgemäß haben wir stets betont, daß der Zionismus keine imperialistische, sondern eine national-freiheitliche Bewegung ist. Wir haben vor der ganzen Welt unsere Bestrebungen als friedliche bezeichnet und uns auf diese Weise die Sympathien aller edlen Gemüter erworben. Eine gewaltsame Lösung der „Aboriginer"-Frage würde das Unglück und der Bankerott des Zionismus sein. *! Wir dürfen nicht aufhören zu erklären, daß wir nicht als Eroberer, sondern als Arbeiter ins Land kommen und daß wir grundsätzlich eine Verständigung mit der arabischen Bevölkerung wünschen. IV. Man kann unter Umständen prinzipiell eine Maßnahme mißbilligen und sich doch nicht vor der Einsicht ihrer taktischen Notwendigkeit verschließen. Aber ist die Legion augenblicklich eine nicht abzuweisende Notwendigkeit? Man kann dies verneinen. Der jüdischen Bevölkerung Palästinas droht von Seiten der Araber keine unmittelbare Gefahr und. es sind auch keine Anzeichen vorhanden, daß sie etwa Vorbereitungen zu einem neuen Progrom machen. Wir können uns auch sehr gut auf den Standpunkt stellen, daß es Sache der Mandatarmacht ist, für ausreichenden Schutz der Bevölkerung und Ruhe und Sicherheit im Lande zu sorgen. Dem englischen Soldaten, sagt Jabolinsky, ist ein Kämpf zwischen Juden und Arabern vollständig gleichgültig. ' Das mag sein, aber wir verlangen doch nicht, daß er für die Juden, sondern daft er für die Ordnung kämpfen soll. Man braucht indes dabei nicht den Kopf in den Sand zu stecken und kann (insbesondere durch Ansiedlung der bisherigen Legionäre, die leider immer noch nicht geschehen ist) eine Art Selbstschutz organisieren, der für alle Fälle gewappnet ist und. der nach außen hin (im Gegensatz zur Legion) keinen aggressiven, sondern einen rein defensiven Charakter haben wird. Die Freunde des Regiments sagen, daß der Jischuw selbst durchaus für die Legion sei. Nun hat der Jischuw (obwohl er selbstverständlich die maßgebendste Instanz für die Beurteilung und Entscheidung dieser Frage ist) wenig Distanz zu" diesen Dingen. Die schrecklichen Erlebnisse vor noch nicht einem halben Jahre machen es verständlich, daß der Jischuw zu den offiziellen Schutzorganen kein Vertrauen hat und eine jüdisch-militärische Institution freudig begrüßt. Doch ist das nicht durchweg der Fall, zumindest ist die Stimmung geteilt. Der Waadt Haleumi hat sich zwar für die Legion erklärt, aber nur mit der Majorität von einer Stimme! Auch besitzt die Legion in den Reihen der Arbeiter-