Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Legion 205 sehaft Anhänger, aber sieher ebensoviele Gegner. Die palästinensische Arbeiterschaft will und sucht die Verständigung. „Das Streben, freundschaftliche Beziehungen zu den Arabern zu schaffen, besteht schon bei uns sehr lange. Die Arbeiterschaft erkannte schon vor 15 Jahren die Gefahr, die darin besteht, daß wir als Herren nach Palästina kommen,", sagte der palästinensische Arbeiterführer Kazenelson auf dem Kongreß Auf jeden Fall ist es nicht so, daß der ganze Jischuw nur einen Wunsch hat: das jüdische Regiment. 1 Man kann also momentan die Legion nicht als eine von allen Seiten empfundene Notwendigkeit bezeichnen. Wohl ist aber die Aufstellung der Legion im Augenblick ein taktischer Fehler. Bekanntlich reist jetzt eine arabische Delegation in der Welt herum, um vor der Ratifizierung des Mandatsentwurfs durch den Völkerbund Stimmung gegen ein jüdisches Palästina zu machen. Sie brauchte dann bloß auf die Legion hinzuweisen, um ihre Behauptungen, daß die Juden nicht mit friedlichen Absichten kommen, sondern die arabische Nationalität unterjochen und unterdrücken wollen,,als gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Man weiß;, wie derartige Dinge auf die öffentliche Meinung wirken und alle gegenteiligen Versicherungen von zionistischer Seite wären vergebens — und der Zionismus braucht wie jede Bewegung die öffentliche Meinung! V, Aber selbst wenn keine anderen Bedenken vorhanden wären, so sehe ich nicht einmal die praktische Möglichkeit zur Ausführung des Planes. Besteht denn überhaupt die politische Möglichkeit? Wir dürfen doch nicht vergessen, daß die Exekutivgewalt in Palästina nicht in unseren Händen liegt, sondern in den Händen der englischen Regierung. Glaubt man, daß England ohne weiteres seine Zustimmung zur Aufstellung der jüdischen Legion geben wird in einem Lande, in dem dis Juden zwar eine Majorität werden wollen, aber vorläufig noch eine Minorität sind? Englands Politik ist viel zu vorsichtig und vielseitig, als daß es in einen derartigen Plan einwilligen würde. Vielleicht würde man die Einwilligung der englischen Regierung erlangen, und dieser Ausweg ist wohl auch von Jabotinsky vorgeschlagen worden, wenn die zionistische Organisation die Kosten der Legion übernähme, was natürlich eine Entlastung des englischen Militärbudgets für Palästina bedeuten würde. 'Angenommen, die englische Regierung akzeptiere diesen Vorschlag, ist damit schon jede Schwierigkeit beseitigt? Nein. Denn die politische Schwierigkeit verwandelt sich sofort in die finanzielle Schwierigkeit. Ich verstehe nichts von militärischen Fragen, aber ich schätze die Kosten der Legion auf 150 000 Pfdi (das sind wohl über 4 Millionen Mark) und das ist, wie ich glaube, eher zu wenig als zu viel. Wir wissen alle sehr gut, daß die zionistische Organisation das Geld nicht gerade mit Scheffeln müßt und daß eine solche Summe epe unerträgliche Belastung für die Organisation darstellen würde. Die nächste Zeit verlangt eine Anspannung und* eine Konzentration aller finanziellen und geistigen Kräfte, um den Aufbau Palästinas durchzuführen. Nicht durch Schaffung militärischer Positionen, sondern durch Schaffung ökonomischer Positionen (verbunden mit einer raschen Einwanderung) werden wir das Land besitzen. Sehen die Araber, daß das Land durch die Juden von wirtschaftlichem und kulturellem Leben durchpulst wird, dann werden sie nicht auf die Lockungen der eigenen und fremden Hetzer und Unruhestifter hören. —