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Der jüdische Student · 1921-09-01 · Heft 5 (September 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 5 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Die Legion 203 Die Legion. Von Joseph Gottlieb, Spandau. I. Die Legion hat beim Kongreß keinen Anklang gefunden. Die Frage ist gar nicht vqr dem Plenum zur Verhandlung .gekommen; sie ist, wie es heißt, vorläufig zurückgestellt worden. Aber hinter den Kulissen tobte ein heißer Kampf, in dem die Gegner der Legion die Sieger waren. Man hatte von Anfang an die Legionsfrage wie ein drohendes Unheil zu umgehen gesucht und als schließlich Jabolinsky, fußend auf den Prager Beschluß der großen A.-C, zur Entscheidung drängte — fiel die Entscheidung gegen ihn. Ist darum der Legionsgeflanke endgültig erledigt? Ich glaube nein, und die Legionsgegner dürfen sich darob keinen Täuschungen hingeben. Jabolinsky hat in Prag die Legion als conditio sine ^qua non bezeichnet — und Jabolinsky ist ein starker Mann. Wenn Jabolinsky auch trotz allem in der Exekutive verblieb, so wird er. gewiß immer wieder seine Legionsforderung erheben und sie wird gewissermaßen das ceterum censeo seiner Worte bilden. — Wie stellte man sich bei uns zu dieser Frage? Die Stimmung im K. I. V. war und ist entschieden für die Legion. Wenn es auch einige „prinzipielle" Gegner gibt, so befinden sich die Anhänger unbestreitbar in der Menrzahl. Man hat den Anschluß des A.-C. damals mit Freude begrüßt, und man wird die Haltung des Kongresses nicht verstehen und bekämpfen — und doch war sie richtig! Dies muß klargestellt werden. Aber darüber hinaus bedarf es vorerst noch einiger Worte über die Stellung und Behandlung der ganzen Frage, weil sie meiner Ansieht nach falsch oder schief aufgefaßt wurde, sowohl von den Gegnern als auch von den Anhängern. II. Jede Frage, die eine praktische Maßnahme zum Gegenstande hat, hat zwei Seiten, eine prinzipielle und eine taktische. Die prinzipielle Stellungnahme^ richtet sich nach der Weltanschauung, die taktische nach den Umständen. Prinzip bedeutet eine philosophisch-ethische, Taktik eine politisch-praktische Einstellung. Prinzip ist etwas Feststehendes, Taktik etwas Veränderliches. Die Frage des Prinzips ist abstrakt und verlangt eine Prüfung nach dem monalischen Wert, die Frage der Taktik ist konkret und verlangt eine Prüfung nach dem momentan praktischen Wert. Die Beantwortung der prinzipiellen Frage braucht und wird sich nicht immer mit der Beantwortung der taktischen Frage decken, welche dann gewöhnlich die entscheidende Bedeutung hat. Manchen mag diese Unterscheidung als eine Doppelmoral erscheinen. Aber das Leben ist eben widerspruchsvoll und fordert diese „Doppelmoral". Prinzip und Taktik sind die beiden Pole, die einen Ausgleich im Widerstreit des Lebens bewirken. Diese Trennung und Unterscheidung der prinzipiellen von der taktischen Frage ist bei uns nicht beachtet worden und nicht einmal zum Vorteil der Anhänger. III. Ich bin „prinzipiell" gegen die Legion, weil ich nicht den Glauben an die Gewalt habe. Auch diejenigen, die für die Legion eintreten., würden sich nichts vergeben, wenn sie diesen prinzipiellen Standpunkt einnehmen würden (ihr ja könnten sie immer noch für taktische Frage reservieren). Aber die meisten von ihnen schwören eben auf die Ge-

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