Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Nach dem 12. Kongreß leute in London geseh^ü. In der palästinensischen Exekutive genießt Ruppin allseitiges 'Vertrauen und Misrachi sowie Arbeiterschaft sind selbst vertreten. So wird dieser Teil der Leitung von allgemeinem Vertrauen getragen sein, und auch diese Wahl ist ein positives, wichtiges Ergebnis des Kongresses. IV. Die Parteien boten nicht immer erfreuliche Bilder. Immerhin aber waren es bewußte, planvoll arbeitende Gruppen. Das hat sich auch an der Besetzung des Hauses gezeigt, die rechts und links stets stärker war als im Zentrum. Der Mittelblock hatte sich zwar konstituiert, aber damit auch sein parlamentarisches Dasein beendet. Er ist keinmal in Funktion getreten. Die Verhandlungen haben vielmehr unter der naturgemäßen Direktivelosigkeit und unendlichen Zersplitterung der Landsmannschaften sehr gelitten. Die Entwicklung muß naturnotwendig dahin führen, daß Frankreich oder Serbien kein Gesichtspunkt einer parlamentarischen Gliederung ist, sondern daß sich die Menschen nach ihrer zionistischen Stellungnahme zu den verhandelten Problemen zusammenschließen. So wird auch das vielgelästerte Parteiwesen uns seine Vorzüge bringen können. Seine Qualität wird von der staatsbürgerlichen politischen Erziehung der Jugend abhängen. Auf dem Kongreß war ziemlich viel Jugend vertreten, Delegierte der Linksparteien aus dem Osten. Die deutsche Jugend war meistens ohne Stellungnahme. ' K. J. V.er waren zahlreich in Karlsbad, das Interesse des Blau-Weiß schien gering. Es wäre über alle diese Punkte ausführlicher zu sprechen und noch'vieles, vieles andere zu erwähnen. Wenn mir dies auch aus äußeren Gründen nicht möglich ist, möchte ich doch noch auf zweierlei hinweisen: Ich halte die Lösung der schwebenden Probleme durch diesen Kongreß nicht für sehr gelungen; konnte man von einer Krisis im Zionismus sprechen, so hat sie der 12. Kongreß nicht beseitigt. Es kommt alles vielmehr auf unsere eigene Arbeit an. Hierfür allerdings hat uns der Kongreß einen recht guten Antrieb und eine Basis gegeben. Darum muß man nicht unzufrieden mit dem Kongreß sein. Er hat uns. auch Berührung mit den zionistischen Geschehnissen und der großen Bewegung verschafft. Davon soll vor. allem unsere Jugend fruktifizieren. Wir gerieten schon in ziemliche Isolierung. Jetzt soll wieder jeder Einzelne sich am zionistischen Leben beteiligen, Beschäftigung mit Politik, nämlich den Angelegenheiten der Gesamtheit, soll eine der vornehmsten Aufgaben der jüdischen Jugend sarerden, unsere Erziehung muß die Menschen hierzu tauglich machen, daß sie fähig und willens sind, mitzuarbeiten an den Geschicken ihrer Nation.