Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nach dem 12. Kongreß 201 Neben dem Keren Hajessod-Beschluß scheint mir das wesentlichste Resultat des Kongresses die Annahme eines konkreten Palästina budgets, also eines Arbeits- und Geldbeschaffungsplanes, zu sein. Die Palästinadebatten lagen eigentlich in der Kommission. Aber hier hat der Kongreß nichts Selbständiges geleistet, wozu er vielleicht auch nicht berufen ist. Unser Parlamentarismus datiert eigentlich erst seit diesem Kongreß, er ist also noch sehr jung und unerfahren. Der nächste Kongreß wird sicherlich selbständiger und selbstbewußter sein. Er glich diesmal noch sehr einer Volksversammlung und es kam manchmal mehr auf Massenpsychologie als auf Einzelwertung an. III. Herbert Samuel ist nach einer Meldung aus Jerusalem äußerst zufrieden mit den Ergebnissen des Zionistenkongresses, insbesondere mit der vom Zionistenkongreß eingenommenen Haltung in der Araberfrage, welche geeignet ist, den Frieden im Lande herzustellen und die Zusammenarbeit zwischen beiden Bevölkerungsschichten zu fördern. Weizmann hat sich ähnlich in einem Interview geäußert. Hierzu muß festgestellt werden, daß diese „Haltung" nur die ganz energische Stellungnahme der Hitachduth und einiger anderer betrifft, die allein (und besonders Buber) sich mit allen Kräften und mit Leidenschaft für eine Verständigungspolitik eingesetzt hat, während die Exekutive stark abhängig von Jabotinsky erschien, der den Wirkungen des Kongresses, auf diesem Gebiet auch jetzt schon wieder Abbruch tut durch seine wenig wählerische und auf Unbefangene wirkende Legionspropaganda. Wir sollten uns bemühen, die natürliche Rückwirkung, welche die Haltung des Kongresses in Palästina zu unserm Vorteil gefunden hat, nicht durch Räuberromantik zu zerstören. Hier ist nicht der Ort, um über Araberpolitik und Legionsfrage zu sprechen; aber die Äußerung Herbert Samuels ist geeignet, dies Ergebnis des Kongresses zu bewerten, und uns vor dem Weitersündigen in dieser Frage bewahren. Wir haben bisher keine bewußte Araberpolitik gehabt, wir haben noch immer keine; nur wenige vertraten sie vor dem Kongreß; aber auch das schon hat ihm Bedeutung und Erfolge gegeben. Die neue Exekutive müßte in diesem Sinne weiter arbeiten. Es ist noch zu früh, um dieser Exekutive Vertrauen oder Mißtrauen auszusprechen. Sie ist wenig homogen, wenig repräsentativ für alle Strömungen und zum Teil dem Kongreß mit Starkem Druck aufoktroyiert. Der Kongreß hat eigentlich nur Weizmann und Sokolow wiedergewählt; eine neue Exekutive ist,, obwohl es allseitig stark als Bedürfnis empfunden wurde, nicht zustande gekommen. Julius Simon gelang es, seine Position in Karlsbad ungeheuer zu bessern, selbst bei der äußersten Linken und mancher seiner früheren Gegner hätte ihn lieber als seine .Ersatz-