Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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200 Nach dem 12. Kongreß Übel), dfe Menschen, insbesondere die Arbeiter sind hervorragend, die Leiter wissen durchaus, worauf es ankommt. Es fehlt aber an Geld und an Schulung; die Mängel liegen also am Galuth, weniger an Palästina. — Schon allein um dieses Beisammenseins, dieser Erfahrungen, dieser Wiederbelebung unserer Kräfte willen, war'der Kongreß ein Erfolg. Er hat der Bewegung trotz aller seiner Schwächen Schwungkraft und Zielbewußtsein gegeben. IL In Referaten und Zeitungsartikeln ist schon viel über den Kongreß berichtet worden. Der Kongreß hat die in Deutschland schon immer vertretene Anschauung vom Keren Hajessod als unserm „Staatsschatz", der auf einer Steuer beruht, bekräftigt. Das amerikanern wird nun wohl oder übel aufhören müssen. Das ist ungeheuer wichtig. Die bei uns immer vertretene höchste Tugend der „Sachlichkeit" begann auch in Deutschland die nationalen Gesichtspunkte etwas durch Geschäftsmännigkeit zu verdrängen. Vor allem aber ist der Karlsbader Beschluß von Bedeutung für die Keren Hajessod-Aktion in Amerika. — Im Plenum, in Kommissionen und in Randveranstaltungen haben die amerikanischen Delegierten über ihre heimischen Verhältnisse berichtet und den starken Eindruck hervorgerufen, daß mit einem Keren Hajessod, der sich in seiner Struktur, seiner Propaganda und seinen Führern an die nationalen Gefühle der wirtschaftlich sehr leistungsfähigen amerikanischen Ostjuden wende, die zum Aufbau Palästinas erforderlichen Mittel wohl aufzubringen seien. — Es wäre trotzdem aber zu wünschen, daß die Spaltung in Amerika beseitigt würde, denn nach unseren Erfahrungen sind zur Gewinnung des Publikums auch die Notabein sehr wichtig. Ein bedeutender, Teil der Arbeit in Deutschland geht seit Monaten dahin. Ich glaube, daß in der Einigung der amerikanischen Föderation eine wichtige Aufgabe liegt. Der Kongreß hat in dieser Hinsicht nicht viel Positives geleistet, trotzdem er sich viel mit „Organisation" befaßt hat. Die wichtigste „organisatorische" Arbeit für die nächste Zeit besteht, darin, wirklich wieder eine Einheit zu schaffen: vor allem zwischen der Zentrale und dem Osten, in Amerika und mit Palästina. Wir sind noch weit davon. In dies Ressort gehört auch die Vorbereitung des Kongresses. Und obgleich es nicht an Lobpreisern des Organisationsdepartements fehlt, möchte ich meine Ansicht dahin äußern, daß dieser Kongreß schlecht vorbereitet war. Schon das Außere war nicht sehr würdig und (die Gäste wissen das) nicht sehr bequem. Die Vorbereitung der Verhandlüngen aber war gänzlich unzureichend. In keinem Parlament der Welt würde man sich wichtigste Materialien der Generaldebatte zwei Tage vor Kongreß ende auf die Plätze legen und mehrere Bände Berichte zwei Stunden vor Kongreßeröffnung in die Hände geben lassen (Berichte, die leider nicht sehr vollständig sind). *