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Der jüdische Student · 1921-09-01 · Heft 5 (September 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 5 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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198 Über den Wert des Sports an sich, für uns Juden im besondern, braucht kein Wort verloren zu werden, zumal die Propagandareden, sehätze ich, Gemeingut sämtlicher Antritts- und Schlußkonvente sind. Die Erzeuger dieser formvollendeten, bezwingenden Ausführungen sind leider meist verhindert, selbst am Sport teilzunehmen. Dafür läßt sich in der ersten Zeit auch eine ganz stattliche Schar von Leichtathleten, aber, ach! mit Schlips und Kragen erblicken. (Von den reinen Sport - Verbindungen muß ich aus begreif liehen Gründen absehen.) Dann verringert sich die Zahl der Teilnehmer ungefähr proportional dem Quadrate der verfließenden Wochen. Denn — man frage z. B. den Heidelberger Sportwart, dessen Kurs 4—5 Teilnehmer zählte, nach der Richtigkeit der angeführten Gründe —: Der Sport liegt zu früh, die Wecker funktionieren selten, Veranstaltungen vom Abend vorher ziehen sich bis spät in die Nacht hinein, es sieht oft nach Regen aus, die Wochentage sind schwer zu unterscheiden. Bald hat sich ein eiserner 'Bestand heraus "kristallisiert, den ab und zu ein Mitleidiger auffrischt. Sport? Der Ekel kommt einen an. Zugegeben, daß man den Wert der Leibesübungen für seine eigene Person leugnen kann. Ein K. J. V.er hat dieses Recht höchstens dann, wenn er die Vorteile, die der Sport gewährt, Zucht, Unterordnung, zweck- und zielbewußte Tätigkeit, Anspannung aller Kräfte zur Erreichung des gesetzten Ziels, in irgendeiner Weise für die Verbindung nutzbar macht. Aber wie viele sind es denn, die das Fehlen beim Sport mit anderer Arbeit kompensieren, ganz abgesehen davon, ob sie wirklich schon besitzen, was die Leibesübungen sie lehren sollen? Der weitaus größte Teil derer, die man niemals auf dem Rasen sieht, sind die Lauen, die auch auf sämtlichen anderen Gebieten als Niveau, die Schaffenslust, d. h. die Schaffenskraft von uns Jurigen herabdrücken. Uber die leere, desto öfter angewandte Ausflucht von der „Unfähigkeit des Sportwarts" zu sprechen, erübrigt sich. Ich unterschätze den Wert wirklicher Führernaturen durchaus nicht, ich glaube sogar, von ihnen hängt der: Bestand des Kartells ab. Doch jene Schwätzer können vom unfähigsten Sportwart wenigstens den Willen zur Arbeit lernen. Hier muß rücksichtslos Wandel geschaffen werden, denn erfolgreicher Ausbau des Sports bedeutet — zwar nicht, daß nun mit einem Schlage alle -die Mißstände beseitigt seien, die fast ausnahmslos. die Berichte der letzten Nummer des J. St. so wenig erfreulich gestalteten, aber er bedeutet, daß der Verbindung eine Schar arbeitsfreudiger energischer, Disziplin gewohnter Bundesbrüder zur Verfügung steht. Doch rücksichtslos muß vorgegangen werden, um überhaupt den Eintritt eines geregelten Sportbetriebes zu ermöglichen. Solche Fälle, daß weder der Fuxmajor, noch der Er st chargierte gegen einen Pflichtvergessenen, der „prinzipiell" keine Poenen zahlt, etwas unternehmen, unternehmen wollen oder können, daß dadurch vom C. C. aus die Grundlagen des Verbindungsiebens, besonders die des Sports erschüttert werden, dürfen nicht mehr vorkommen. Ich wüßte keine Zeit, die geeigneter zum Aufbau des Sportbetriebes wäre, als es der Winter mit dem Geräteturnen in der Halle ist. Durch das Riegenturnen wird der Drang nach Zusammenschluß, wie er sich bei den Sportfesten durch das Vorherrschen der Mannschaftskämpfe kundgetan hat, ein Zeichen, das Sehnsucht und Anklage zugleich ist, viel stärker als in der Leichtathletik befriedigt. Durch ungleich größere Exaktheit als beim Rasensport wird eine sichere Grundlage für die körperliche Ausbildung geschaffen. Das gemeinschaftliche Spiel bleibt uns erhalten. Die Freude, also auch der Eifer, wird gefördert durch die Deutlichkeit der Fortschritte, die Steigerung der Leistungen (z. B. durch Kombination verschiedener Übungen). Was man vom Sportwart verlangt, ist vor allem Methodik. Was er wiederum braucht: Pünktlichkeit, Willigkeit und — blanke AugenL

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