Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537761-3537766--5316-3543431- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Erstes Semester im Kartell 197 kenne das Problem, das dahinter steekt, durchaus nicht. Es ist ja das Problem des westeuropäischen Juden, der vor dem Zionismus steht Aber für uns, die wir Zionisten sind/, ist es irrelevant, vom Thema: Macht der Assimilation zu sprechen.) Doch die letzte Bindung, von der wir nicht reden, die wir tun, für die wär nicht in der wir leben, sie fehlt. Gewiß, es gibt auch unter uns solche, denen das Jüdisch-Sein dieselbe Selbstverständlichkeit ist, wie uns das Jude-Sein. Sie haben den Glauben an das nationale und das religiöse Element in unserm Volkstum — und ich meine, sie haben den rechten Glauben an uns als Volk, weil sie den religiösen Gedanken so betonen, weil sie weniger „Trotzjuden" sind als wir — wir, die zum Jüdisch-Relifgiösen nicht mehr zurückfinden, denen Ritus kein Gefäß, Atmosphäre in Haus und Tempel nicht Boden des nationalen Geistes ist, wir brauchen* eine andere Form, die unsere Verbindungen wirklich zu Bindungen macht, die jene letzte, die Volksgemeinschaft anstrebt und vorbereitet, die uns ermöglicht, den Programmnamen abzulegen um auch Juden zu werden. Was uns im Kartell fehlt, wissen wir Alle. Wer zeigt uns unsern Weg? Unmöglich können doch die Gruppenbildungen der erste und letzte Schritt sein. Sie sind ein Symptom für das Fehlen der Form, sind, vielleicht, so betrüblich das ist, das einzig Mögliche, das einzig Ersprießliche, vielleicht auch das Zeichen für die Wertlosigkeit, weil für den Zusammenbruch des innersten Gedankens eines zionistischen Kartells. (Denn Hebräisch kann ich in der Sprachschule, Tendenz zu Hause, Sport in den Vereinen lernen. Und als Stellenvermittlung für die Organisationen ist es wohl kaum gedacht.) Das einzig Mögliche scheinen sie mir nach meinem jetzigen Gesichtskreis zu sein, weil ich das Menschenmaterial, das uns zur Verfügung steht, für untauglich zu der Erziehung halte, die dem Kartell deutlich eine Lebensberechtigung verschaffen würde. Wenn ich zu den pädagogischen Fähigkeiten unserer Erzieher noch kein Vertrauen habe, — denn nur ein Interesse am Stoff, kein Verhältnis zu Personen habe ich gewinnen können — so mag das am Mangel an Erfahrung, gar an meiner Eigentümlichkeit liegen, sicher ist, daß eine große Zahl von uns sich als „Geistigkeit" fühlt, die es nicht nötig hat, durch freiwillige Unterordnung das Gelingen einer Erziehung zu gewährleisten. Ein Zeichen dafür und für den Wert der Disziplin, wenn man hören muß, die Verbindung sei auf der Höhe gewesen, als (zart für „weil" gesagt) ein Feldwebelton geherrscht habe. Gemeinschaft kann man nicht machen, sie muß werden. Aber möglicherweise kommt man vom Zusammenfügen zum Zusammenwachsen, von der Verbindung durch das Bundesbruder-Sein zum Band durch Kameradschaftlichkeit und dann zur Bundes-Brüderlichkeit. Doch wir dürfen nicht mit zweifelhaftem Menschenmaterial experimentieren. Vergessen wir nicht, daß wir Wegbereiter oder Erzeuger kommender Generationen sein wollen, die anders als wir, im Volkstum wurzeln sollen. Für dessen reine Gestaltung tragen wir mit die Verantwortung. IV. Der Sport. Das ist die Tragik fast sämtlicher Veranstaltungen unseres Verbindungslebens; sie benutzen das als Basis, was ihr Ziel sein solltej, echten Schwung und echte Zucht, und können nicht einmal erhalten, was von diesen beiden Elementen im Anfang vorhanden ist. Disziplinlosigkeit und Lauheit, meist der Älteren (für unsere Fuxenstunden kein Ruhm) zerbröckeln rasch genug jeden Unterbau, wenn nicht Rigorosität, „Feldwebelton", die Einzelnen duckt, ihnen den zersetzenden N Atem benimmt. — Solange halte ich diese Art des Zusammenfügens für unwürdig, wie wir ein Mittel haben, das rigoros nicht im Ton, sondern in der Sache ist: den Sport.