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Der jüdische Student · 1921-09-01 · Heft 5 (September 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 5 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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•Erstes Semester-im Kartell Wenn man also keilen läßt, sei man vorsichtig in der Wahl derer, die keilen sollen, auch derer, die keilen wollen. Man verlange es nicht von denjenigen, denen es eine Pein ist, gebe aber solchen, die aus sonstigen Gründen nicht dazu fähig sind, eine andere Möglichkeit, sich zu betätigen. Was mir neben der mangelnden stillen Mitarbeit sämtlicher Bundesbrüder den Mißerfolg, der sich teils durch die geringe Zahl, teils durch den geringen Wert der Eintretenden bemerkbar macht, zu verbürgen scheint, ist das System. Ich weiß, daß ich einen Keilwart verlange, der soviel Menschenkenntnis, Intensität, Umsicht besitzt wie alle andern Chargierten zusammen, daß ich von den übrigen, besonders den älteren Bundesbrüdern, offene Augen und energische Mitarbeit fordere, wenn ich mir davon etwas verspreche. Die Verteilung der zu Keilenden erfolgt erst während der Keilveranstaltungen, und zwar auf Wunsch der Keilenden selbst oder durch Gruppierung von Seiten des Keilwarts, d. h. seiner Fähigkeit, in kürzester Zeit von den keilenden Bundesbrüdern wie von den Keilfüxen ein Bild gewonnen zu haben. Die Erfolge können jedenfalls nicht geringer sein als bei der alten schematischen Überweisung. (Es liegt und das ist wohl der Hauptgrund für die Reserve der jüngeren K. I. V.er beim Ausbau des I. St., immer die Getahr vor, lächerlich zu werden dadurch, daß man aus Mangel an Erfahrung oder Einsicht Neuerungen vorschlägt, die in anderen Verbindungen längst verwirklicht oder als unbrauchbar, undurchführbar abgetan sind, Themen anschneidet, über die größere Geister sich längst mit mehr Sachkenntnis und- Ideenreichtum ausgelassen haben.) Vorsicht ist bei der eigentlichen Keilarbeit denen zu empfehlen, die ein gewisses Draufgängertum fei cht zum abstoßenden Bearbeiten verführt Es ist nicht schwer, einen menschlich einigermaßen wertvollen Juden hineinzutreiben in die Probleme, die unsere Zeit so stark wie je unterstreicht, herauszureißen aus behaglichem Plätschern über der Oberfläche oder gewaltsamem Vergessen-Wollen, weil keine Lösung zu sehen ist. Aber die Verantwortung, die man übernimmt, wenn man junge, entwicklungsfähige Menschen durch bloßes Erdrücken in eine falsche Bahn drängt, ist riesengroß. Gewiß, der Zionismus muß uns auch zu ernst sein, um durch Lauheit solche, die zu uns gehören, dem B.Z.K, oder gar der F. W. V. zu überlassen. Man geht weder, um Vögel auf den Leim zu locken, noch um flaue Konversation zu machen. Der Erfolg hängt auch nicht vom Opfer an Zeit und der Wucht des Bearbeitens ab, nicht vom Wollen, sondern vom Erkennen, nicht von hohler Phrase, sondern viel, sehr viel vom Herzen. So „keilt" man für den Zionismus. Für das Kartell? Noch weiß ich es nicht — vielleicht werde ich es niemals" wissen. Aber keilen kann man nur, wenn man sich auf den Takt aller Bundesbrüder verlassen kann. Ich hörte zum Beispiel als Keilfux, wie ein Bursch zum Keilwart sagte: „Der N. läßt dir, sagen, du sollst d\ich nicht so aufdrängen. * Er weiß nicht, wie er es anstellen soll, um dir endlich klar zu machen, daß er nicht aktiv werden will!" Das berührt zwiefach peinlich, wenn man Keilfux, dreifach, wenn man K. J. V.er geworden ist: wo im Kartell doch soviel von „Erziehung" — geplaudert wird. II. Der Konvent. Das Erstaunlichste, was ich je erlebt habe. Den ersten an dem Abend, an dem ich rezipiert wurde. Ich war hochgespannt, denn ein K. C.-Blatt hatte mir verraten, die K. I. V.er lägen „vor ihrer eigenen Geistigkeit auf den Knien". . Ich habe mich stundenlang gewundert, daß Menschen, angeblich mit „Geistigkeit", sich so lächerlich machen können. Selten die Fähigkeit zum Zuhörenkönnen,- zum Unterdrücken

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