Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Erstes Semester im Kartell keiten zionistischen Lebensgehaltes auszunützen. Es ist falsch, wenn Holdheim meint, der Maasser-Zionismus von heute lasse sich mit dem hundertprozentigen Zionismus früherer Zeiten nicht vergleichen. Er übersieht, daß die Valuta, an der die Zionisten gemessen werden, gestiegen ist. Die 10 o/o Zionismus im Leben — und bei K. J. V.ern soll es bei diesem Prozentsatz nicht bleiben, — die heute zu leisten sind, bedeuten mehr als die 100%' Sezier-, Literatur- und Bekenntnis-Zronismus früherer Zeiten. Unzufriedenheit ist berechtigt, jeder K. J. V.er muß den Abstand zwischen Wirklichkeit ynd Aufgabe empfinden, die Frage ist nur, ob man aus der Unzufriedenheit zu folgern hat, daß man müde werden und aufhören muß oder daß man besser und mehr arbeiten muß. Ich glaube, daß die Unzufriedenheit uns vorwärts treiben wird. — Diese schnell hingeworfenen Worte können nicht mehr als knappe Andeutungen von Gedankengängen sein. Das Kartell wird, wie ich glaube, in einer weiteren Diskussion die Unrichtigkeit der Holdheimschen Gedanken zeigen. Moritz Bileski Erstes Semester im Kartell. Von Martin Flesch, Neu dämm. I. Das Keilen. Daß mir „keilen" eine so peinliche Vorstellung ist, liegt nicht zuletzt an der Art, wie ich es ausgeführt sah. Das Resultat meiner Beobachtungen ist die Empfindung, die Erfolge seien trotz oder unabhängig von der Keilarbeit, die Mißerfolge wegen des Keilens herbeigeführt. Natürlich, was eigentlich den Erfolg verbürgt, was auch dem Keilfux die Sache nicht zu einer Qual, sondern zu einer Selbstverständlichkeit macht, sind die Qualitäten des Keilenden — wenn ihm das System der schematischen Verteilung nicht seine Fähigkeiten beschneiden würde. Kommt es doch beim Keilen nicht allein auf die Erkenntnis des Zustandes an, in dem sich der Keilfux als Mensch und Jude befindet, sondern auch auf das Vermögen, sich selbst aus diesem Zustand noch einmal zum Zionismus zu entwickeln — und das ist einem nur in bestimmten Fällen möglich, die\ sich jedoch aus dem Namens Verzeichnis der Studierenden selten ergeben. Es beleuchtet die Naivität mancher Keilenden eigenartig, wenn sie ihre - Aktivmeldungen durch weise Bücher, die aus zionistischen Problemen entstanden sind, nichts über den Zionismus und Assimilantenprobleme bringen, zu erreichen suchen. „Ich habe," sagte mir ein Bundesbruder^ „meinem Keilfuxen (ich sah ihn kurze Zeit darauf in K.-C.er-Uniform!) ein Buch gegeben (von Buber, glaube ich, jedenfalls eines, das er kurz vor- Ire r mit Begeisterung gelesen), wenn er das gelesen hat, ist er sicher Zionist!" Daß es so etwas wie, Bereitschaft geben muß, auf Grund deren man — auch trotz des Keilens — Zionist wird, oder eine Vorbereitung, die eben durch richtiges Keilen erzeugt und beschleunigt werden soll, kam ihm gar nicht in den Sinn.