Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Zweites Nachwort sen aber, daß es noch nicht unser Ende bedeutet, wenn wir noch viel an uns zu arbeiten haben, wenn wir nur merken, daß gearbeitet wird. Wenn unsere Meinung ist, daß das K. J.V. von der Erfüllung seiner Aufgabe noch weit entfernt ist, daß aber die Notwendigkeit und die Tatsache seines Lebens nicht bezweifelt werden kann, so sind die theoretischen Gründe, die Holdheim für sein abweichendes Urteil anführt, nicht mehr von allzu großer Bedeu-. tung. Ich wül indessen auch darauf poch eingehen, auch nur in aller Kürze, in der Erwartung, daß das Wesentliche von anderen Disputanten gesagt werden wird. Holdheim führt den von ihm festgestellten Verfall darauf zurück, daß wir von der Utopie zur Verwirklichung gekommen wären und damit die zusammenkettende Wirkung revolutionären Verschwörerschwunges verloren hätten. Wäre das wirklich so, so wäre es ein klägliches Zeichen nicht nur für die jetzigen, sondern auch für die früheren Generationen des K. J. V. Was sind das für Revolutionäre, die den Schwung ihrer Stimmung dann empfinden, wenn ein Anstoß gegen die Meinungen beleibter Onkel und Schwiegereltern zu verfechten ist, die ihn aber verlieren, wenn sie Gelegenheit erhalten, mit ihrer Sache Ernst zu machen! Mir scheint, daß man heute den Emst, die Größe und die Schwierigkeit der zionistischen Aufgabe und die besondere Stellung der Zionisten genau so stark empfinden kann und muß wie früher. In dieser Beziehung sind die Grundlagen einer verbundenen Stimmung für das Kartell nicht verloren. Sie haben sich nicht einmal darin stark verändert, daß der Zionismus, wie Holdheim meint, eine sichere, salonfähige Sache geworden ist. Wer ernsthaft über unsere Angelegenheiten nachdenkt, weiß, daß die Chance^ die wir heute haben, eben eine Chance ist, daß wir also noch immer an einem gewagten Geschäft beteiligt sind. Aber, sagt Holdheim, wir können die zionistische Forderung, so wie sie uns heute gestellt ist, nicht erfüllen, wir können nicht einmal die richtige Forderung aufstellen. Das bestreite ich. Man soll nicht immer mit dem Gegensatz zwischen Persönlichkeit und Zionismus kommen. Die einfache und oft gegebene Antwort bleibt richtig, daß für den Zionisten die zionistische Entwicklung ein, und wie wir glauben, der wesentliche Teil seines Persönlichkeitsproblems ist. Wir werden von unseren Bundesbrüdern fordern, daß sie ihre persönliche Entwicklung nach zionistischen Gesichtspunkten bewerten lernen. Die Stärke, mit der wir diese Forderung aufstellen und das Maß, in dem wir damit Erfolg haben, wird allerdings für das Kartell entscheidend sein. Wir sind heute sehr weit von der Erfüllung — aber Zion wird nicht in einem Tage gebaut werden. Uns muß es, wenn wir die Existenzfrage des Kartells stellen, genügen, daß die Möglichkeiten da sind. Für die Jungen, die die Freiheit haben, sich ihr Leben zionistisch einzurichten, und auch für die Alten, von denen durch das Karteil der Wille erzwungen werden muß, die ständig steigenden Möglich-