Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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192 K. J. V., oder vielmehr den Verbänden, aus denen es hervorgegangen ist, ein wichtiges Stück ihrer zionistischen Entwicklung verdanken und darum" trotz allem, in Liebe an ihm hängen, so scheint mir sein Schicksal besiegelt; denn aus Pietät wird das K. J. V. nicht wieder aufgebaut werden. Anders, wenn es eine K. J. V.-Jugend gibt, in der die Empfindung erwachte, daß etwas für den Zionismus Wichtiges und Wertvolles in Gefahr sei und gerettet werden müsse. Eine solche Jugend würde keinen Widerstand finden, wenn ihre Forderungen auch noch so traditionswidrig wären. Bisher aber haben wir uns vergeblich nach ihr umgesehen. Erich Cohn. Zweites Nachwort. Diagnose? Die Leichenreden, die in dem Vorstehenden dem Kartell unterbreitet werden, müssen, da sie einmal gehalten sind, zur Kenntnis genommen werden. Sie passen aber wenig in die Situation; denn der Patient hat sich inzwischen mit eigener Kraft ein erhebliches Stück von dem Punkte entfernt, wo er nach der Meinung der Diagnostiker liegt und zu beklagen ist. In der Tat ist das Wesentliche, was auf die Worte von Holdheim und Erich Cohn zu erwidern ist, ein Hinweis auf die wirk^ liehe Lage des Kartells. Wenn man sie so wie Holdheim und Erich Cohn schildert und empfindet, so zeigt das nur, daß man es in ganz besonderer Weise verstanden hat, sich vom Leben des Kartells fernzuhalten. Meine kurze Entgegnung soll nur wenige Andeutungen geben, ich denke, daß die richtigen Erwiderungen aus den Reihen des Kartells kommen werden. Ich verzichte deswegen darauf, die Tatsachen zu schildern (trotzdem es verlockend ist, eine Unkenntnis zu widerlegen, die sich z. B. bei Erich Cohn in der Frage zeigt, wieviel Nichtzionisten noch in das K. J. V. eintreten — eine Frage, die den Verzicht auf auch nur flüchtige Lektüre des J. St. verrät), die Verbindungen leben, gewinnen Menschen. Die zionistische Aufgabe ist, im Kartell zu spüren, viele,/ und namentlich die meisten jüngeren Bundesbrüder lernen und erleben den Zionismus durch das Kartell.' Das Gefühl zionistischer Verantwortlichkeit der Einzelnen gegenüber dem Kartell ist wieder deutlich zu merken. Dies alles könnte an Tatsachen gezeigt werden. Die einzelnen Gründe für dieses Urteil sollen aber der Diskussion nicht vorweggenommen werden, es soll nur festgestellt werden, daß diese Ansicht in dem Kreise besteht, der die Geschäfte des Kartells führt und der vielleicht mehr Fühlung mit dem Kartell hat, als es früher manchmal der Fall war. . Die Ansicht besteht, obwohl wir die Unzulänglichkeit des Kartells gut kennen. Wir wis-