Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Erstes Nachwort 191 läßt. Die andern werden Geld geben und bei Gelegenheiten Hedad schreien. Man wird sie in Massenorganisationen sammeln können, um möglichst viel zionistische Leistung aus ihnen herauszuholen. In eine Gemeinschaft der Unentwegten, derer, die sich als „Kolonialpalästinenser" fühlen, weräen sie sich nicht zwängen lassen. Ist es übertrieben, wenn ich 90<>/o der K. J. V.er zu diesen „andern" zähle? Die veränderte zionistische Lage läßt es nicht zu, auf möglichste Ausdehnung bedacht zu sein und gleichzeitig Galutliheroismus zu verlangen. Galuthheroismus ist sehr schwer und nur für wenige ertragbar. . Die Idee des K. J. V. hat somit ihren Sinn verloren. In nicht sehr freudiger Stimmung, aber im vollen Bewußtsein meiner Verantwortung, übergebe ich euch diese Zeilen. Erstes Nachwort. Holdheims Artikel trifft meines Erachtens den Kernpunkt des K. J. V.-Problems, das seit dem Ende des Krieges nicht zur Ruhe kommt, also ungelöst geblieben ist, und er stellt die Kardmalfrage, ob das K. J. V. heute noch existenzberechtigt sei, mit der Klarheit und Schonungslosigkeit, die allein, so oder so, ein Ergebnis herbeiführen kann. Ich halte es für besonders dankenswert, daß Holdheim darauf verzichtet, irgendwelche Palliativmittel zu empfehlen, wie sie dem K. J. V. seit drei Jahren immer von neuem, bestenfalls mit vorübergehendem Scheinerfolge, verordnet und verabfolgt werden. An die Sanierungsaktionen glaubt längst niemand mehr; die gelegentlichen Erfolge einzelner Korporationen ändern an der Lethargie des ganzen Organismus nichts. Charakteristisch ist es, daß alle Wiederbelebungsbestrebungen auf eine Mobilisierung der Alten Herren hinauslaufen. Daß es eine zu mobilisierende Jugend, einen K. J. V.-Nachwuchs gibt, scheint längst niemand mehr zu glauben. Man vergesse aber nicht, daß der Reiz der Beschäftigung mit dem K. J. V. für Alte Herren immer nur darin bestanden hat, daß sie mit einer neuen zionistischen Jugend in Berührung kamen. Diese drückt dem Ganzen ihren Stempel auf. Ist das K. J. V. nicht mehr das geeignete Instrument, eine solche Jugend zu gewinnen (man würde übrigens gern einmal erfahren, wie viele Nicht-Ziojiisten noch ins K. J. V. eintreten und dort zu Zionisten werden), so müssen wir ehrlich und mutig genug sein, das anzuerkennen und einen radikalen Ab- und Umbau vorzunehmen. Nichts kann aber gedeihen, solange sich das K. J. V. mit der Verpflichtung belastet fühlt, eine Tradition zu erhalten, die in einer gewandelten Zeit sich als unbrauchbar erwiesen hat. Das Gefühl dieser Belastung schafft die verlegene und unaufrichtige Stimmung, die seit langem für alle K. J. V.-Veranstaltungen charakteristisch ist. Die Resonanz, die der Holdheimsche Artikel wecken wird, wird zeigen, ob es noch Sinn hat, an das K. J. V. Kraft zu wenden. Ruft er nur den Widerspruch solcher alten K.J.V.er hervor, die dem