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Der jüdische Student · 1921-09-01 · Heft 5 (September 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 5 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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188, Sind das Ketzergedanken? -%—:--- aber nicht könnten, das wäre ein Leben, das sie als ihnen unangemessen empfänden, als das Ziel ihrer Sehnsucht zu proklamieren. Wozu sage ich dies? Um endlich mit dem Unfug aufzuräumen, daß man so tut, als wollte man in einer Massenorganisation, wie es das K. J. V. ist, die Chaluzforderung erheben, obwohl man genau weiß, daß nur ganz vereinzelte Menschen sie erfüllen. Es ist gut und psychologisch gerechtfertigt, wenn Führer ihre Forderungen weiter stecken, als es der Masse genehm ist. Nur so läßt sich etwas erreichen. Es muß abe? eine Atmosphäre der Lüge entstehen, wenn Ziele aufgestellt werden, die für die meisten aus Gründen äußerer und innerer Art unerfüllbar sind. Ultra posse nemo obligatur. Im Grunde genommen wird ja Chaluziuth gar nicht verlangt, und man begnügt sich mit dem, was ich den 10 o/o igen Zionismus nennen möchte. Das heißt: Maasser an Zeit und Geld. Die Frage ist nur die, ob ein derartiger lOo/oiger Zionismus, der vor dem Letzten und Äußersten Halt macht, einer idealgerichteten Jugend ein hinreichender Anreiz sein kann, um sie mit den ihn fordernden Gemeinschaften menschlich zu verketten. Hier liegt das punctum säliens. Ich sagte an früherer Stelle, daß das, was die früheren Generationen an das Kartell so innig fesselte, das beglückende Bewußtsein war, sich ganz der Idee zu schenken. Die Förderung war: Kampfwille, Bereitschaft und Verwirklichung, und all die, die wahrhaft in der Gemeinschaft lebten, erfüllten sie. In diesen Zeiten konnte man mit Fug sagen, daß Zionismus Totalität unseres Weltbildes bedeutete, denn es war noch möglich, all unsere heimlichsten Regungen und Sehnsüchte in diesem Zionismus zu manifestem Ausdruck gelangen zu lassen. Und dies war das Geheimnis unserer Stärke und unseres Erfolges. Was aber Jugend auf keinen Fall vertragen kann, das ist, mit wachen Augen die Halbja Zehntelhaftigkeit des ihr gesetzten Zieles zu erkennen. Der älter gewordene Mensch, der die Ohnmacht menschlichen Strebens erfahren hat, wird sich damit abfinden, daß ihm das Leben auf sein Ideal 90<J(> Rabatt gewährt. Jugend, die nach Ganzheit strebt, streben muß, wenn sie wahrhaft Jugend ist, kann nicht in einer Gemeinschaft zusammengehalten werden, deren einzige Gemeinsamkeit ein — leider Gottes -— gezehntelter Zionismus sein muß, der Arbeit und nochmals Kleinarbeit von ihr fordert und ihr das lähmende Gefühl des ewigen Restbestandes, der unterdrückten menschlichen Notwendigkeiten immer wieder aufnötigt. Ich höre bereits die Stimmen unserer Unentwegten mit Ungeduld anschwirren, in meinen Ohren klingen Worte wie Defaitist und Mießmacher, und es beschweren mich Sätze dieser Art: Gib unserer Jugend keine Waffen in die Hand, mit denen sie ihre Trägheit verteidigen kann, peitsche sie lieber auf zu letztem Wollen und zu äußerster Leistung. Gemach, Freunde. Von euch, die ihr so ruft, trennt mich das eine. Ihr glaubt, daß Wille und tForderung und Aufpeitschung der Herzen stets taugen muß, auch dann,

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