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Der jüdische Student · 1921-09-01 · Heft 5 (September 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 5 (September 1921)
Date
1921-09-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Sind das Ketzergedanken? 187 sehen, der Elterngeneration eine reale, von der Welt anerkannte, greifbare, kurz, eine praktische Angelegenheit geworden. Er hat es zur. Salonfähigkeit gebracht. Dadurch mußte der Korporationsgedanke seinen sichersten Stützpunkt verliefen, denn in weit ge- * ringerem Maße als früher bietet die Korporation eine Stätte, wo sich die revolutionären Affekte frei und ungehemmt austoben können. Man verkenne ja nicht, wie anfeuernd es auf moderne Jugend wirkt, wenn die Familie entsetzt über Fanatismus zetert, und wie der Jugend eine Idee degradiert erscheint, die es soweit brachte, von Menschen einer anderen Welt beachtet und ernst genommen zu werden. Hinzu kommt folgendes: die heutige Jugend erkennt immer stärker die Diskrepanz zwischen den ihr gesetzten Aufgaben und den eigenen Möglichkeiten. Zu unserer Zeit empfand man es als Verwirklichung, wenn man allen äußeren Schwierigkeiten zum Trotz der Idee lebte, für sie warb und Spott und Schimpf gelassen einsteckte. Es war damals einfacher, 100<yoiger Zionist zu sein, da all die Opfer, die wir brachten, in Wahrheit keine Opfer waren, sondern innerster Notwendigkeit entsprangen. Wir kämpften einen Kampf, der uns zur Lebensbedingung wurde, wir gaben im Grunde sehr wenig von dem preis, was tatsächlich in der Linie unserer menschlichen Entwicklung lag. Ganz anders heute, lOOo/oiger Zionismus heißt heute Ghaluziuth. Man kann noch so verzweifelt die Gleichwertigkeit des Diaspora- und des Palästinazionismus in die Welt hinaus schreien, aus dem begreiflichen Wunsche, mit seinem Zionismus vor sich und der Welt bestehen zu können — in stiller Stunde öffnen sich doch einmal die Augen. Die Forderung des Palästinapioniertums kann aber das K. J. V. rycht stellen. Und ich glaube tief, daß es nicht nur die äußeren Schwierigkeiten sind, die sich hindernd in den Weg stellen, sondern mindestens ebenso stark sind die inneren Hemmungen, die selbst die Besten unter uns empfinden. Viele derjenigen, die man im Kartell als erstklassig zu bezeichnen pflegt, haben mir gegenüber gestanden, daß sie in einer Auswanderung auf dem Wege der Berufsumschichtung eine Verkümmerung ihres geistigen Lebens erblicken und nicht gewillt sind, die Verwirklichung ihres Zionismus mit Aufgabe ihrer selbst zu erkaufen. Man soll ehrlich genug sein, derartige Menschlichkeiten einmal offen auszusprechen, sogar auf die „Gefahr" hin, von Dogmatikern mit Liebenswürdigkeiten traktiert zu werden. Oberste Aufgabe des Menschen ist, sich selbst zu erfüllen, den durch oft unbewußte Triebvorgänge vorgezeichneten Weg des eigenen Lebens zu wandeln. Über dem Zionismus steht das freie Recht der Persönlichkeit. Jeder idealen Aufgabe, die sich der Mensch stellt, ist eine Grenze gesetzt durch das lebendige Bewußtsein, so und nicht anders handeln zu können. Das soll nicht heißen, daß man persönliche Opfer scheut, denn das wäre freilich erbärmlich. Es haben mir Leute gesagt, sie wären bereit, mehrere Jahre womöglich Hilfsdienst zu leisten, und sei es in schwerster und untergeordnetster Arbeit in Palästina. Was sie

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