Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Vom Berufs-Ressort c) Bei Mädchen gilt dieselhe Ausbildungszeit für Spezialfächer wie bei Jungen. Nur kann die allgemeine landwirtschaftliehe Ausbildungszeit wegfallen. Dafür ist aber eine gründliche hauswirtschaftliche Ausbildung nötig. d) Eine Hochschulausbildung ist im allgemeinen überflüssig, Sie kommt nur in Betracht für besondere, wissenschaftliche Beamte. Dagegen ist eine Beschäftigung mit landwirtschaftlicher Literatur, insbesondere über die Mittelmeerländer, zu empfehlen. e) Diese Vorschläge sollen allgemeine Richtlinien darstellen, die nach persönlicher Begäbung modifiziert werden können. Das BerufS'Ressort des Präsidiums hat sich zu den Berufsfragen des Kartells, wie sie sich nach den Referaten von Auerbach und Theodor darstellen, in einem Brief nach Palästina wie folgt geäußert: Berlin, den 4. Juli 1921. An alle Bundesbrüder und Blau-Weißen in Palästina! Liebe Bundesbrüder! Seit unserm letzten Rundschreiben ist unser Kontakt mit Euch erfreulicherweise etwas enger geworden. Walter Moses hat uns nach seiner Rückkehr nicht nur sachlich wichtige Mitteilungen gemacht,, sondern uns auch viel Persönliches von Euerm Leben und Eurer Arbeit auf dem Lande erzählt. Außerdem haben wir inzwischen den Brief von Bbr. Tachauer vom 18. Mai und die anhegenden Referate von Auerbach und Theodor erhalten, die für uns eine Fülle von Anregungen gebracht haben. Wir werden die Referate vollinhaltlich im J. St. zum Abdruck bringen und haben*auch sonst jede Gelegenheit benutzt, um die Bundesbrüder in Berlin und der Provinz mit Euren Anschauungenvertraut zu machen. Es scheint angebracht, in diesem Zusammenhange einige Worte zu dem Berufsproblem speziell im K. J. V. zu sagen. Das K. J. V. braucht zwei völlig verschiedene Arten der Berufsberatung. Die eine richtet sich an solche Bundesbrüder, die sich bereits für einen bestimmten akademischen Beruf entschieden haben und nicht gewillt oder imstande sind, ihn noch zu ändern; dort beschränkt sich die Aufgabe der Berufsberatung darauf, ihnen spezielle Ratschläge zu geben, wie sie ihr Fachwissen auf Palästina einstellen können, um es dort verwenden zu können, also Ratschläge für Spezialisierung des Berufes, für die Verwendung des Berufes in andern Berufszweigen, für die Verwendbarkeit bestimmter, allgemein wichtiger Kenntnisse (Sprachen, kaufmännische Kenntnisse ü. ä.). Für diese Art von Berufsberatung, bedeuten, wie mir scheint, die Auerbachsehen Vorschläge außerordentlich wertvolle Winke, Es war uns z. B. bisher nicht bekannt, daß sich der Erwerb von kaufmännischen Kenntnissen (Buchhaltung, Schreibmas 2hine u. ä.) empfiehlt. Wir wußten au :h nicht, daß sich aus dem Vorhandensein der notwendigen Sprachkenntnisse Anstellungsmöglichkeiten für Beamte ergeben. Auch für Ärzte findet sich in dem Hinweis auf Verwendbarkeit in der Medizinalverwaltung eine wichtige Mitteilung. Aber alle diese Andeutungen sind doch immer wieder nur geeignet, einige ganz wenige Möglichkeiten in Palästina zu zeigen. Auch wenn man die Aussichten für deutsche Zionisten, in Palästina verwendet zu werden, noch so optimistisch betrachtet, werden sie niemals genügend Stellen für die fertigen Juristen und National - ökonomen des K. J. V. bieten, geschweige denn, für die vielen jungen K. J. V.er, die sich wiederum diesen Berufen zuwenden. Ebenso wird man auch den zahlreichen Ärzten des K. J. V. nicht allen Stellen im Gesundheitsdepartement beschaffen. Hierzu kommt, daß hier dieselben Verhältnisse nicht nur im K. J. V., sondern auch außerhalb des K. J. V. vor-