Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Vom. Berufs r Ressort in primitiver Form schon vorher hier bestanden) Orangen, Wein, Mandeln und Oliven, stehen fast durchweg auf ziemlich hoher Stufe, da sie eben aus Ländern hoher. Kultur mit modernen Methoden überführt worden sind. Und da man in Deutschland von Baumkultur fast nur die allerersten Grundbegriffe zu sehen bekommt, ist auf diesem Gebiete eine Ausbildung dort Verschwendung von "Zeit und Kraft. Anders liegt die Sache bei Viehzucht, Milchwirtschaft, Geflügelzucht. Da ist im Lande nichts vorhanden, was den Kamen Zucht oder rationelle Wirtschaft veroient. Es steht alles unter der Devise: CuIIo min Allah, d.h. gibt es viel Milch, schön, gibt es keine, kann man auch nichts machen. Futter gibt man nicht, außer dem Arbeitsvieh. Und das Vieh, das manchmal im Sommer, wenn die Weide vertrocknet, fast verhungert, gibt dann auch dementsprechend keine Milch. Ebenso ist von irgendwelcher Auswahl zur Zucht keine Rede. Bullen, oft nur ein- bis zweijährig, gehen mit der Herde und decken ohne Kontrolle. Dasselbe beim Geflügel. Auswahl auf Leistung beim Eierlegen oder auf Eignung zum Mästen kennt man nicht. Da ntan sich eben mit Füttern, Pflege und Unterkunft fast keine Kosten macht, ist alles, was nur irgendwie abfällt, Gewinn. Also: was sich in diesen Gebieten in Deutschland lernen läßt, soll man ausnutzen. Es läßt sich fast ohne wesentliche Änderung hier anwenden. Im Getreidebau gibt es ziemlich grundlegende Unterschiede. Wir haben hier ein sogenanntes halb-arides Klima, bei dem es den ganzen Sommer keinen Tropfen Regen gibt. Dishalb muß die Pflugarbeit sich darauf richten, die Feuchtigkeit in der Erde zu bewahren. Ferner ist Art und Weisender Düngung, Menge der Düngung ganz anders, soweit das die noph sehr mangelhaften Erfahrungen erkennen lassen. Und schließlich sind auch die Kulturen selbst und die Behandlung der Pflanzen aridere als dort. Die Frage ist nun, kann man hier lernen — und ich: behaupte: ja. Wenn man von Deutschland her so vorbereitet kommt, daß man die Arbeiten beherrscht und weiß, worauf beim Lernen zu achten ist, dann geht es. Es gibt zwar keine Schulen, aber was wir uns hier aneignen wollen, die genaue Kenntnis von Pflanzen, Boden und Klima, das ist zu erreichen. Und gerade diese Sachen kann man von Arabern oder nach arabispher Art arbeitenden Kolonisten sehr gut lernen. Denn bei so primitiver Arbeit muß die Kenntnis der Eigentümlichkeiten von Pflanzen und Boden sehr genau sein, um überhaupt einen Betrag herauszuwirtwirtschaften. Und man soll sich hüten, im Bewußtsein seiner vortrefflichen Ausbildung in Deutschland verächtlich auf die Arbeit hier zu sehen (d. h. nicht, man solle anfangen, mit der Sikke — arabischer Pflug — zu kratzen oder mit der Sichel zu mähen, aber alle ihre Geräte und Methoden sind zwar, in primitiver Form, für die hiesigen Verhältnisse passend geworden, von den hiesigen Verhältnissen geformt worden. Im Zusammenhang damit hört man so oft das Schlagwort: wir haben in Deutschland die Möglichkeit uns gut auszubilden, wir haben die Pflicht, Fachleute nach Palästina zu schicken. Das ist nach dem Gesagten für die Landwirtschaft falsch. Denn Fachleute sind doch Leute, die ein bestimmtes Gebiet mit allen Feinheiten beherrschen. Die Fachleute, die wir brauchen, können aber ihr Wissen nicht in Deutschland erwerben, sondern müssen das in Kalifornien und Italien, wo die in Palästina notwendigen Kulturen, aber mit vollkommener Technik bestehen. Weiter ist wichtig, daß diejenigen, die bei Bauern arbeiten, besonders auf die Ökonomie der Wirtschaft achtgeben, auf Ausnutzung von Material, Einteilung der Arbeit nach Platz und Zfeit und auch auf die kaufmännische Seite (Warenabsatz), denn das kann man hier absolut nicht lernen, und dieser Fehler läßt hier vielfach Wirtschaften nicht gelingen. Ebenso wichtig ist, daß jeder die einfachen handwerklichen Fähigkeiten inne hat. (Sattlerei, Schmiederei usw.) Hier wissen die