Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1921-06-01 · Heft 4 (Juni 1921) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 4 (Juni 1921)
Date
1921-06-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537761-3537765--5279-3543393
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Vom Berufs - Ressort 161 b) Es muß Kredit beschafft werden. Dazu soll man an den Kereu hajessod herantreten. Bis jetzt sind die Gelder des Keren hajessod verausgäbt worden, und zwar in unrechtmäßiger Weise, da noch keine Organisation des Keren hajessod besteht, die berechtigt wäre, die Gelder auszugeben. Obwohl nur 27 o/p für Orgamsatiohszwecke zur Verfügung stehen sollten, hat man doch schon fast alles aufgebraucht in der Hoffnung, daß das doch nur 27 o/o der eihkommenden Gelder seien/ Wir wollen deshalb an die deutsche Landsmannschaft herantreten, weitere Gelder mit besonderer Zweckbestimmung für Kredit für unsere Kolonie zu sammeln. Dies ist nach den Statuten zulässig. Die deutsche Landsmannschaft soll also nicht die allgemein gegebenen Gelder für einen bestimmten Zweck festlegen, sondern nur weitere Gelder für diesen Zweck geben lassen. Da wir zum ersten Mal, seitdem die zionistische Organisation arbeitet, eine bodenständige Bauernschaft gründen wollen, wird uns sicher der Keren. hajessod auch überdies noch Gelder zur Verfügung stellen. Das Geld ist übrigens nicht verloren, sondern nur als Hypothek festgelegt .und wird dem Keren hajessod wieder zufließen. Das Geld soll nach kaufmännischen Grundsätzen hypothekarisch angelegt und verwaltet werden. II Referat von Theodor: Bei einem Referat in Palästina über landwirtschaftliche Ausbildung in Deutschland ist es, denke ich, nicht nötig, den ganzen Bildungsgang mit allen Einzelheiten zu besprechen. Pinner hat ja in seinem Referat alle Möglichkeiten ziemlich eingehend besprochen. Es wird sich für uns mehr darum handeln, neue Gesichtspunkte, neue Anregungen zu geben oder Vorhandenes zu besprechen. Viel Unklarheit herrscht besonders bei der Frage, wie sich die Ausbildung auf Deutsehland und Palästina zu verteilen hat. Eine Gruppe von Leuten behauptet, man könne hier gar nichts lernen, und da die Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland so gut seien, so müsse man sich dort so gründlich wie möglich vorbereiten. „Die paar Unterschiede lernt ein tüchtiger Landwirt schnell um, die Grundlagen sind überall dieselben." Viele behaupten, Klima, Kulturen usw. seien derart grundverschieden^ daß das in Deutschland Gelernte wenig nütze und zum Teil nur hindere. Außerdem gewöhnten sich die Leute bei der Ausbildung in Palästina an Klima, Sprache usw. So, in dieser Formulierung, ist mit beiden Ansichten wenig anzufangen. Man muß sich dazu einmal vergegenwärtigen, wie die Ausbildung vor sich geht. Für unsere Jungen, die meistens an die Landwirtschaft ohne jede blasse Ahnung herankommen, vergeht das erste Jahr nur damit., sich in die fremden Verhältnisse einzuleben, und die landwirtschaftlichen Arbeiten so halb und halb zu erlernen. Im zweiten lernt man die Arbeiten gut und bekommt den ersten Überblick, und im dritten Jahr kommt man über die Grundlagen hinaus ins Spezielle, d. h. man lernt die einzelnen Pflanzen in ihren Eigentümlichkeiten und Bedürfnissen kennen, die Besonderheiten der Düngung und Bodenbearbeitung, Auswahl der Sorten usw. Und nun meine ich, daß diese spezieile Ausbildung, die sich doch fast ganz auf die lokalen Verhältnisse gründet, in Palästina nicht nötig ist und sogar hindern kann. .Wir brauchen Leute, die technisch gut ausgebildet sind, d.h. die nötigen Arbeiten beherrschen, die dortigen Methoden kennen und sieh dann hier die nötigen Fachkenntnisse aneignen. Man muß dabei natürlich nach den einzelnen Gebieten scheiden. Zunächst einmal zwischen eingeführten und einheimischen Kulturen. Die seit einigen 30 — 40 Jahren mit der jüdischen Kolonisation eingeführten Kulturen (sie haben teilweise

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.