Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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160 Vom Berufs- Ressort Das Problem wird kompliziert durch die verschiedene Einstellung der Leute, die hierherkommen. Die eine Schicht betrachtet es als ihre vornehme Aufgabe, gewisse Formen der Lebensgemeinschaft zu verwirklichen. Andere sind vor allem auf den Beruf eingestellt. Nach einer Periode, in der die Form in hypertrophischer Weise an die . Spitze gestellt worden ist, muß jetzt eine Periode wirtschaftlicher Einstellung kommen. Wir müssen von einem konsumierenden zu einem produzierenden Faktor werden. Solange wir alles von Arabern kaufen müssen,, stärken wir nicht unsere Wirtschaft, sondern die Araber. Nur wenn es uns gelingt, die Lebensmittelproduktion für uns selbst in die Hand zu bekommen, wird sich unsere Stellung festigen. Man vergleiche einen Kolonistentyp von Sichron Jacob mit einem deutschen Kolonisten. Die deutschen Kolonisten haben damit begonnen, zunächst einmal für sich selbst zu produzieren. Sie kaufen nichts, für sie ist der Begriff, für Essen Bargeld anzulegen, undenkbar. Man ißt, was man im Garten baut. Es zeigt sich, daß mit wenig Stunden Arbeit am Tage der Landwirt seinen eigenen Bedarf deckt. Die übrige Zeit kann er zur Produktion für den Markt benutzen oder auch für andere Berufe., In unsern jüdischen Kolonien ist es umgekehrt. Sie produzieren für den Export und kaufen, was sie selbst brauchen. Wir werden in unsern Preisen durch die bestimmt, die die Urproduktion ausüben. Deshalb ist die erste Forderung: unsere Juden müssen auf eigenen Füßen stehen. Es braucht nur eine Exportkrise, eine Unterbrechung der Verbindung einzutreten, und wir haben eine Ernährungsknse für das ganze Land. Die Juden müssen es machen, wie die Deutschen: sie müssen sich in der Umgegend der großen Städte ansiedeln. Sie werden dann wirtschaftlich rasch vorwärts kommen. Für uns kommt es zunächst darauf an: wie können wir die paar hundert deutschen Juden ansiedeln, die für uns in Betracht kommen. Wir dürfen diese Frage nicht belasten mit unerprobten Experimenten. Wir wollen diese deutschen Juden dahin bringen,, wo sie nach kurzer Zeit das Gefühl haben werden, daß sie auf eigener' Arbeit fußen und auf eigener Scholle stehen. Wir haben das beste Material dazu. Wir wollen keine .Bauernmillionäre, sondern nur solche Bauern, die durch ihre Arbeit und ihrer Familie Arbeit sich ernähren. „Awodah iwrithcf ist nur möglich bei „Awodah azmith". Es wäre außerordentlich wichtig, wenn wir nach 40-jährigen Versuchen endlich dazu kämen, einen jüdischen Bauern zu haben, der selbst arbeitet und nicht mit Arabern, und der mit seiner Familie auf dem Land und mit dem Land verwurzelt. An unserm Beispiel werden sich die andern schulen. IL Teil des Referates in der Abendsitzung. Wir halten es für angebracht, daran zu denken, wie wir den Teil unserer Freunde, der mit uns gehen will, ansiedeln können. Der leichteste praktische Weg ist die Ansiedlung in der Nähe einer größeren Stadt. Doch müssen diejenigen, die an dem Plan teilnehmen, diesen auch billigen. Es muß deshalb folgendes geschehen: 4 1. Es muß eine Liste aufgestellt werden von denen, die bereit sind, sich daran zu beteiligen. 2. Das Projekt muß genau nach Umfang, Ort und den davon anhängigen Kosten festgelegt werden. Boden ist in der Nähe von Haifa und in der Nähe von Jaffa zu finden. - - 3. Die zu gründende Kommission muß sich mit-allen ihr erreichbaren Fachleuten in Verbindung setzen. 4. Für die Geldbeschaffung kommt folgendes in Betracht: a) bei denjenigen; die bei der Ansiedlung eigenes Kapital hineinstecken können, muß festgestellt werden, wie groß dieser Betrag ist