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Der jüdische Student · 1921-06-01 · Heft 4 (Juni 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 4 (Juni 1921)
Date
1921-06-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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Vom Berufs- Ressort 159 überbringen, besteht die Gefahr, daß das jüdische Recht ausschließlich von Talmudisten gebildet wird, die eine vorzügliche formal-juristische Ausbildung haben, deren materielle Ausbildung aber der ganzen Entwicklung der juristischen Wissenschaft und Praxis in Verbindung mit dem modernen wirtschaftlichen und sozialen Leben nicht genügt. Wir müssen eine Rechtspolitik zu treiben beginnen. Weitere Berufszweige sind: Die Verwaltung. Es ist von großer Wichtigkeit, daß wir die verfügbaren Posten besetzen. Bis jetzt wurden die Stellen von Syrern oder erst eingewanderten Ägyptern besetzt. Unsere Leute in Deutschland müssen jede Möglichkeit ausnützen, sich auf solche Berufe vorzubereiten. Nationalökonomie. Ein allgemein ausgebildeter Nationalökonom hat keine Möglichkeit, hier mit seiner Wissenschaft etwas anzufangen. Er kann sich aber spezialisieren. Wir sprechen z.B. viel von Genosserischaften und haben keinen, der etwas davon versteht. Unsere deutschen Studenten, sollen in die Genossenschäften gehen und sehen, wie man Massen organisiert. Solche Leute würden sich hier ein Arbeitsgebiet schaffen können. Krankenkassenwesen und Versicherung liegen in Palästina derart brach, daß uns geschulte Kräfte außerordentlich nützen können. Für Beamte bieten sich gute Aussichten. Die Beamtenstellen vermehren sich ständig, aber leider ohne mit Juden besetzt zu werden. Man braucht z. B. Eisenbahnbetriebsfachleute, auch Heizer, Lokomotivführer. Durch die vielen parasitären Beamtenexistenzen in jüdischen Organisationen haben wir ein Vorurteil gegen Beamte, das wir vollständig überwinden müssen durch Schaffung einer Generation wirklicher Beamten. Ärzte. Wir können viele Ärzte in das Gesundheitsdepartement bringen, wenn wir in die Verwaltung kommen. Bis jetzt wurden keine Juden angestellt. Wir müssen soviel Einfluß auf die Verwaltung bekommen, daß die unteren Organe nicht die Absichten der oberen Behörden durchkreuzen. Die Anfangsbedingungen sind freilich schwer. Man kann an einen Ort verschlagen werden, weit fort von jeder jüdischen Umgebung. Aber es sollte junge Leute geben, die für einige Jahre solche Stellen annehmen, um für jüdische Stellen dort den Boden vorzubereiten. * Was die Technik anbelangt, so können nähere konkrete Angaben erst gemacht werden, wenn man übersehen kann, welche größeren technischen Arbeiten in nächster Zeit in Angriff genommen werden. Für den Augenblick ist der Bedarf an Technikern überreichlich gedeckt. Immerhin sind in der Verwaltung unter den vorher erwähnten Voraussetzungen Möglichkeiten vorhanden. Der in der letzten Zeit besonders viel diskutierte Beruf des Lehrers bietet vorläufig keine Aussichten. Die Lebensbedingungen der Lehrer sind in Palästina zurzeit durchweg schlecht. Die Zahl der Stellen für akademisch vorgebildete Lehrer ist nicht groß, dagegen das Angebot sehr stark. Der Bedarf an Volksschullehrern wird noch für längere Zeit vollständig durch das Jerusalemer Lehrerseminar gedeckt. Landwirtschaft. Wir müssen uns von dem Axiom freimachen, daß der junge Jude, der landwirtschaftlich arbeiten will, als Landarbeiter leben müsse; es soll sogar nur eine ganz bestimmte Form der landwirtschaftlichen Arbeit als anständig gelten — nämlich die Arbeit mit dem Pflug. Mit diesem Vorurteil müssen wir aufräumen. Palästina verlangt die Einstellung auf intensive Wirtschaft. Nu? so kann eine einigermaßen große Kolonisation durchgeführt werden. Diejenigen, die sich in Deutschland ausbilden; dürfen diese Gebiete nicht vernachlässigen. Auch hier wird drei Viertel der Vorbereitung in Deutschland die gleiche sein, wie in Palästina.

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