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Der jüdische Student · 1921-06-01 · Heft 4 (Juni 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 4 (Juni 1921)
Date
1921-06-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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158 Vom Berufs-Ressort pörtieren. Die Bewegung zur Landwirtschaft ist erfreulieh, aber für die Dauer als einzige nicht möglich. Es muß also ohne Wertung gefragt werden: in welchen Berufen kann ein junger deutscher Jude nach Palästina kommen und welche Vorbereitung braucht er dazu. Dazu ist folgendes zu bemerken: L Jeder muß eine Summe von aligemeinen Kenntnissen und'vFertigkeiten mitbringen, denn es ist im allgemeinen nicht sofort möglich, gerade in einen bestimmten Beruf hineinzukommen. Diese Vorbereitungen sind: a) Sprachkenntnisse, und zwar: Viel mehr Vorbereitung im Hebräischen, nicht nur aus ideellen Gründen, sondern es ist unmöglich, im jüdischen Milieu zu leben, ohne Kenntnis des Hebräischen. Englisch. Für den, der die Hauptverwaltungssprache des Landes beherrscht, sind zweifellos mehr Möglichkeiten vorhanden. Arabisch zu lernen, ist in Deutschland schwer. Man kann sich die Verständigungsmöglichkeit im Notfäll in einigen Monaten im Land erwerben. Für bestimmte Berufe, für die gründlichere Kenntnis des Arabischen nötig ist, wird eine Vorbereitung vorher angebracht sein. b) Buchhaltung: Eine genaue Buchhaltung ist in jedem Beruf, besonders hier von großem Nutzen, c) Schreibmaschine: s* Leute, die Schreibmaschine schreiben können, können in ziemlicher Anzahl provisorisch hier untergebracht werden. Das wäre als Uber gang sehr geeignet. Wer diese einfachen Kenntnisse mitbringt, hat mehr Aussicht, schließlich in seinem eigenen Berufe unterzukommen, als der, der nicht warten kann, weil ihm die Mittel dazu fehlen. 2. Welche Aussichten bieten sich den akademischen Berufen, aus denen »unsere Schicht im großen und ganzen besteht? - Der größte Teil aller Arbeitsgelegenheit steht im Zusammenhang mit der Regierung und der Verwaltung des Landes. Es wird sehr viel davon abhängen, ob Juden imstande sein werden, auf die Regierung einen so. großen Einfluß auszuüben, daß wir die große Anzahl von Arbeitsmöglichkeiten für unsern Kreis ausnützen können. Gelingt uns das nicht, dann kommen wir in Gefahr, daß wir als einzelne und Gruppen eine sehr nützliche Arbeit leisten, daß wir uns aber die Möglichkeit, auf die Geschicke des Landes Einfluß auszuüben, dadurch nehmen, daß wir nicht die Verbindung mit der Regierung haben, die die Geschicke des Landes leitet. Der arabische Syrer hat sich mit großer Geschwindigkeit und Beweglichkeit in die neuen Verhältnisse eingearbeitet und beginnt die Regierungsmaschine zu durchsetzen. Palästina wird regiert durch die Unterbeamten. Es ist sehr wesentlich, ob diese Organe aus Arabern bestehen, die uns feindlich sind, oder ob es uns gelingt, Juden in diese Maschinerie hineinzubringen. Dazu ist erforderlich genaue Kenntnis der englischen Sprache. Zum Beispiel in der Rechtspflege ist es ein gewaltiger Unterschied für uns, ob wir dort Zionisten haben oder nicht. Ein festes Recht besteht nicht in Paäsltina. Man hat hier einen Interimszustand, wobei die englische Regierung bemüht ist, an die Gewohnheiten des Landes anzuknüpfen. Wir können unsererseits in die Rechtsbildung eingreifen, indem wir von unserm Gewohnheitsrecht Teile in die allgemeine Rechtspflege übergehen lassen. Eine allzu spezialisierte Vorbildung ist dazu, nicht nötig. Unsere Juristen müssen vielmehr eine ganz allgemeine juristische Vorbildung mitbringen Wenn wir nicht modern gebildete Richter her-

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