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Der jüdische Student · 1921-06-01 · Heft 4 (Juni 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 4 (Juni 1921)
Date
1921-06-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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156 Bibel-Lektüre gewährleistet eben darum dem Semesterbetrieb ein gewisses jüdis ches Gepräge wie eine dauernde Beschäftigung mit k 1 as s i - s ehern Hebräisch und damit den gegebenen Unterbau für eine wurzelhafte Hebraisierung, sowie die Möglichkeit quellenmäßiger, planvoller Einführung in den Geist der jüdischen Antike. Ein solches Arbeitsprogramm, energisch durchgeführt, würde m. E. mit den wertvollsten Teil unserer jüdischen Erziehungsarbeit darstellen. Es zerfällt methodologisch in zwei Gruppen: Bibellektüre im L äng s - schnitt und im Querschnitt. Die erste geht von der Bibel, vom Text aus und beschäftigt sich, das traditionelle Jahr des Juden literarisch auswertend, mit einzelnen wichtigeren Büchern und Abschnitten aus der Bibel; die Querschnittlektüre dagegen geht vom Thema, von einem zentralen Problem aus und verfolgt es systematisch und entwicklungsgeschichtlich quer durch das ganze Schrifttum hindurch. Demnach: A. Bibellektüre im Längsschnitt: Allwöchentlich: Am Freitag abend: ein ,aüszuwählendes Kapitel aus dem Wochenabschnitt der Tora und dem Prophetenabschnitt (Haftara). Am Sonnabend nachmittag : im Sommerhalbjahr: Sprüche der Väter; im Winterhalbjahr: Psalmen. Dazu Freitagabendlieder (Semirot), Sabbatausganglieder (Hawdala), Tischgebet (Benschen) usw. — besonders wenn diese Gelegenheiten, wie erwünscht, in der Familie älterer verheirateter Bundesbrüder verlebt werden können. An den Festtagen: Purim, Esterrolle; Pessach, Sederhaggada und. Schir Haschirim; Scharon Halo tischali); Roschhaschana, Jomkippuf, ausgewählte Stücke aus wuot, Rut; Tischeabeaw, Klagelieder, einige Kinot, Jehuda Halevis Zionide dem Machsor, Pijutim u. dergL; Sukkot, Kohelet; Chanuka, Moaus zur. Dazu die zugehörigen Toraabs chnitte und Haftaro t bzw. zu Tischeabeaw die geschichtlichen Darstellungen aus dem 2. Buch der Könige und Jeremias, zu Chanuka Vorlesung aus den Makkabäerbüchern. } B. Bibel-LektüreimQuerschnitt: Hierunter verstehe ich systematische Beschäftigung mit bestimmten Problemen der altjüdischen Kultur-, Wirtschafts-, auch Religions¬ und politischen Geschichte zur quellenmäßigen Vertiefung in unser Altertum, seinen Geist und seine für. unsern Charakter bestimmend gewesenen Urtatsachen. Als solche Themata nenne ich u.a.: das soziale Programm der Bibel (von mir im V. J. St. Berlin bereits behandelt), der messianische Gedanke, Israels Volks- und Staatswerdung, die Auserwähltheitsidee, das biblische Persönlichkeitsideal, Esras nationale Tat, das Nationalgefühl .in der Bibel, die alt jüdische Auffassung vom Staat usw. usw. (Vgl. ferner „Kaufmanns Anregungen zum Geschichtsunterricht" im J.-St. Heft 3, Juni-Juli 1920!) Natürlich gibt es auch Kombinationsmöglichkeiten zwischen den beiden Methoden. So kann z.B. die fortlaufende Lektüre der Genesis-mit einer systematischen und vergleichenden Betrachtung über den Stil der biblischen Novelle (an Hand von Gunkel) verbunden werden. Psalmen las ich letzthin in einer nach folgenden Gesichtspunkten zusammengestellten Auswahl: Naturbetrachtung (8.19.104.), Paraphrasierung der alten Geschichte (77. 78.105.106.), Königspsalmen (20. 21, 45.), Persönlichkeitsidea] (1.15. 24.112.), individuelle, religiöse Lyrik (3.6.16. 22. 23.27.42. 90 — 93.120.121.131.139.), nationale Lieder (72. 79! 94.132; 137.),

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