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Der jüdische Student · 1921-06-01 · Heft 4 (Juni 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 4 (Juni 1921)
Date
1921-06-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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jüdische Arbeit in Deutschland 153 von Aufklärungsarbeit, das bei Behörden von der höchsten bis zur untersten Stelle ständig nötig war, die Einrichtung des sozialen Hilfswerkes, das in Deutschland in bisher ungeahnter Weise von ihm durchgesetzt wurde, und das in der Errichtung der 600 Menschen fassenden Herberge in der Wiesehstraße ^ihre Krönung fand, die ständige Überwachung von 20 Zweigstellen, der Einzelverkehr mit 15 — 20 000 Menschen, die jährlich durch das Arbeiterfürsorgeamt. gingen, ist im wesentlichen sein Werk. Neben dieser politischen und sozialen Arbeit steht an gleicher Stelle die des „jüdischen Arbeitsamtes", das die Aufgabe hatte, Seite an Seite mit dem Arbeiterfürsorgeamt die produktiven Kräfte in jeder Weise zu fördern. Es gelang dem Arbeitsamt, eine große Zahl von Juden, auch westliche, dauernd der Landwirtschaft zuzuführen. Vielen Tausenden wurde die Möglichkeit gegeben, in produktiver Arbeit sich fortzuhelfen. Genossenschaften, Lehrwerkstätten, Schulgärten dienten diesem Ziele. Auch die Beratung und Überführung von Mädchen in hauswirtschaftliche und gärtnerische Betriebe wurde übernommen. In der Provinz wurde die Tätigkeit beider Ämter natürlich in einer Stelle konzentriert. So gelang es in zähester Arbeit, den größtmöglichsten Schutz und die großmöglichste Förderung der Produktivität unter den Juden in Deutschland von einer Seite aus in Angriff zu nehmen, wie man es bisher noch nicht gewöhnt war. Es ist ein Zeichen des außerordentlichen Fortschrittes des deutschen Judentums unter dem Einfluß der zionistischen Einstellung, wenn heute diese Arbeit allgemeine Billigung des gesamten deutschen Judentums findet, wenn die lächerliche Angst vor dem Östjuden der vernünftigen Erkenntnis Platz gemacht hat, .daß nur solidarische Arbeit, daß nur Pröduktivierung im Ganzen eine Lösung bietet. Die zionistische Organisation hat die Gegenwartsarbeit immer für eine selbstverständliche Pflicht gehalten, wenn man sich auch nicht verhehlt hat, daß auch eine Teillösung der jüdischen Frage sicherlich nicht in Deutschland stattfinden könne, und wenn das provisorische dieser Arbeit auch immer eingesehen wurde. Es muß aber festgestellt werden, daß jede Produktivitätssteigerung auch in den Ländern des Galuth im letzten Grunde Palästina zugute kommt; denn nur mit wirklich produktiven Menschen ist Palästina zu erbauen, wie auch eine Autonomie im Galuth durchzuführen. Es ist nur eine Selbstverständlichkeit, daß die zionistische Jugend sich in den Dienst dieser Sache gestellt hat, daß sie, die sich in Deutschland aus ökonomischen Gründen in besserer Lage befand, daraus den Schluß gezogen hat: es gilt, von dem vorhandenen Vorteil allen Anteil werden zu lassen. Eins sollte die zionistische Jugend im Dienste dieser Arbeit gelernt haben: daß produktive- Arbeit der einzige Maßstab eines richtigen Lebens ist, daß das jüdische Volk nur aufgebaut werden kann, wenn die Wertmaßstäbe des heutigen Europa nicht nach Erez Israel übernommen werden. Freiheit und jüdisches Land werden nur die jüdischen Arbeiter erobern, die wirklichen Arbeiter mit Kopf und Hand, weil sie die einzigen Träger des nationalen Gedankens sein können, weil alle anderen, von der Profiteinstellung beeinflußt werden. In diesem Sinne sollte die Entwicklung in Deutschland eine Mahnung für die zionistische Jugend sein.

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