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Der jüdische Student · 1921-06-01 · Heft 4 (Juni 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 4 (Juni 1921)
Date
1921-06-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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152 Jüdische^ Arbeit in Deutschland erkannt worden, trotzdem die Zahl derjenigeiv lüdisehen Arbeiter, die im Bergbau und. in der Industrie bereits drei bis vier Jahre arbeiten, nicht gering ist. Vom Standpunkt einer Bewegung aus betrachtet, die eine Errettung des jüdischen Volkes nur auf der Grundlage einer produktiven Arbeit tür möglich hält, ist der Durchgang" jüdischer Menschen durch ein Land mit technisch hoher Kultur nicht als ein Unglück . zu betrachten, auch wenn die Bedingungen keineswegs günstig waren und auch wenn man die Notlage des deutschen Arbeitsmarktes anerkennt. Immerhin haben zahlreiche jüdische Arbeiter an Stellen gearbeitet, in die wegen der Wohnungsverhältnisse deutsche Arbeiter sowieso nicht gegangen wären, und es ist mit vollkommener Bestimmtheit festzustellen, daß die Behauptung, jüdische Arbeiter nehmen deutschen Arbeitern den Platz weg, im großen und ganzen falsch ist; wer die Verhältnisse in Rheinland-Westfalen einigermaßen kennt, weiß, daß dort, wo die Hauptmasse der jüdischen Arbeiter lebt, diese Leute bei kleinen Unternehmern an verhältnismäßig abgelegenen Stellen arbeiten, der weiß ferner, daß eine Arbeitslosigkeit in diesen Bezirken fast überhaupt nicht vorhanden ist und daß man im Bergbau die Heranziehung der Verordnung über Freimachung von Arbeitsstellen überhaupt nicht nötig hatte. Psychologisch interessant ist nun, wie dieser Umstellungsprozeß tausender jüdischer Menschen vor sich ging. Es läßt sich feststellen, daß soziologische Gesetze, wie sie etwa noch Julius Berger während des». Krieges für die jüdischen Arbeiter aufstellen wollte, nur bis zu einem gewissen Grade zutreffen. Berger behauptete, daß jüdische Menschen die Arbeit doch im großen und ganzen nur als eine Chance betrachten und eben dort ar-^ Seiten würden, wo die Chance, als Arbeiter mehr Geld zu verdienen, größer war, als als Händler. Dieser Gesichtspunkt kann heute nicht .mehr als zutreffend erscheinen, denn große Massen jüdischer Arbeiter und natürlich ihre wertvollsten Elemente sind heute von dem Gedanken der Produktivität ergriffen und die Erkenntnis, daß Arbeit an sich besser als Hanäel oder Nicht-Arbeit seien, wirkt in ihnen als eine neue geistige Chance." Von zwei Seiten her wird diese Einstellung beeinflußt, von der proletarischen und von der zionistischen. Beiden Bewegungen ist jedenfalls das eine gemeinsam, die Erkenntnis, daß nur Arbeit ihre Erfüllung bringen kann. Der Begriff des Proletariers ist bereits geistig zu einem Wertbegriff geworden; in diesem Sinne wird von dieser Einstellung her die Erneuerung des jüdischen Lebens gewaltig gefördert. Selbstverständlich ist dieser Prozeß mit zahlreichen Übergängen verbunden, es gibt viele Nicht-Mitkönnende, wie es viele Pioniere gibt. Immerhin kann z.B. gesagt werden, daß es heute leicht ist, in Deutschland gut ausgebildete, richtige Landarbeiter in größerer Zahl zu finden, während es 1918 noch unmöglich schien, irgendeinem Gutsbesitzer einen gelernten Landarbeiter zu schicken. Die Schwierigkeit, die in Deutschland verweilenden jüdischen Arbeiter zu schützen, ist natürlich enorm und in ständigem Wachsen begriffen. Es bedurfte gleich nach dem > Waffenstillstand de*- Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte, um einen Schutz herbeizuführen. Zum ersten Male in der Geschichte des Judentums gelang es, unter Zusammenfassung aller jüdischen Kreise von der Agudas Israel, der Zionistischen Organisation, dem Zentralverein bis zu den Arbeiterparteien eine vorbildlich arbeitende Organisation zu schaffen, das „Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands". Es soll nicht unterlassen werden, auch an dieser Stelle des Mannes zu gedenken, dem die gesamte jüdische Arbeiterschaft Deutschlands zu liefs'em Dank verpflichtet ist,. Fritz Morderhai Kaufmanns, der als Vollendung seines Lebens dieses Werk mit Aufopferung aller ✓ seiner Kräfte gefördert hat. Es bedurfte seiner Hingabe, um das schwere Werk, ostjüdische Arbeit in Deutschland, zu schützen, ostjüdischen Menschen zu einer leidlichen Existenz zu verhelfen, so daß sie wenigstens eine Zeitlang durchhalten konnten, zur Durchführung zu bringen. Das Maß

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