Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beschluß und Ausführung und daß die Idee,- die die Grundlage jener Beschlüsse bildet, für sie nicht richtunggebend sei. Es würde mich freuen, im nächsten J. St. einen Artikel zu lesen, der gewichtige Gründe gegen diese Dinge enthielte, mit denen man sich ernsthaft auseinanderzusetzen hätte. Vor allem aber sind diese Zeilen eine Kampfansage gegen alle jenen Unernsten und Trägen, die, ohne ernsthafte Gründe gegen die Beschlüsse, des Kartells vorbringen zu können, sich ihren Verpflichtungen entziehen! Die zionistische Situation ist heute zu ern,st, als daß ein Mensch, der sich Zionist nennt, sagen kann, er erkenne seine Pflichten an, ohne zugleich für sein Leben daraus entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Jeder von uns hat, sofern er keine ernsthaften Gründe gegen sie vorbringt, die Beschlüsse des Bundes, in dem er steht und zu dessen Entschließungen er seine Zustimmung gegeben hat, gleichsam als seine eigenen Entschließungen anzusehen, die er für sein Leben gefaßt, und hat also für ihre Ausführungen in der gleichen Weise Sorge zu tragen wie für seine eignen; er hat letzten Endes das Versagen des Kartells in diesen Dingen als sein eigenes Versagen, als Zeichen seiner eigenen Schwäche anzusehen. Denn selbst der Kleinste und Unbedeutendste, der durch seine Persönlichkeit nicht im geringsten auf andere Menschen zu wirken vermag, hat noch die eine Möglichkeit und das kann seine Stärke sein: durch seine Tat vorbildlich zu wirken! Hier kann auch der Kleinste zu einem bedeutsamen Faktor werden und von ihm können durch seine Tat stärkere Energien ausgehen als von dem Großen, der lediglich bei Worten Bleibt. Es ist eine seltsame Erscheinung — und ich halte sie für gut —, daß in demselben Maße, wie die Zahl der Menschen, die zu uns kommen, auch die Zahl der Abgehenden zunimmt. Es ist notwendig, daß wir mit derselben Kraft, mit der wir Menschen gewinnen, alles Halbe und Oberflächliche von uns weisen! Dies muß in noch stärkerem Maße geschehen als bisher! Wir stehen vor einer schweren Entscheidung. Es ist Zeit, viel Versäumtes nachzuholen. Und vor allem das eine: jedem von uns, dem Größten wie dem Kleinsten, ist die Möglichkeit gegeben, das seine zu tun. Auf jeden kommt es an und jeder trägt die Verantwortung für das Gelingen. Dies Bewußtsein in unserem Kartell erstarken zu lassen, muß das Ziel unserer Erziehung sein.