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Der jüdische Student · 1921-06-01 · Heft 4 (Juni 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 4 (Juni 1921)
Date
1921-06-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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142 Beschluß und Ausführung richts- und Erziehungsprogramm auszubauen und zu vereinheitlichen versucht. Seitdem ist über ein halbes Jahr vergangen und es wird Zeit, einmal auf unsere bisherige Arbeit zurückzublicken und ihre Ergebnisse zu prüfen. Dies ist eine Notwendigkeit, da wir sonst auf dem nächsten Kartelltag vor der Tatsache stehen^ würden, daß das Kartell zu einem lächerlichen Zerrbild dessen geworden ist, was seinen Führern bei ihren Beschlüssen als Zukunftsbild vorschwebte. Es ist dies umsomehr eine Notwendigkeit, als die Erziehung der Bundesbrüder überall dort versagt hat, wo die Menschen zur Ausführung von Beschlüssen gezwungen werden mußten, die in den bisherigen Gang ihres täglichen Lebens in unbequemer Weise eingriffen; ich erwähne nur die keineswegs intensive hebräische Arbeit, den mangelhaften Gehorsam bei Überweisungen, die trotz ihrer scheinbaren Höhe minimalen Keilerfolge, den bedauerlichen Tiefstand der Burschenexamina, die immer noch geringe Zahl von Bundesbrüder#, die es über sich gebracht haben/ für einige Zeit den ganzen oder wenigstens einen Teil des Tages der Arbeit ihrer Organisation zu widmen. Man bedenke, was dies bedeutet! Zum ersten Male nach langer Zeit hat sich das Kartell, von einer zentralen Idee ausgehend, Richtlinien für seine Arbeitsgebiete geschaffen und für die Allgemeinheit bindende Beschlüsse gefaßt. Der Augenblick ist daher für das Kartell aufs äußerste entscheidend. Denn, versagen wir hier, wo es sich darum handelt, zum ersten Male einschneidende Beschlüsse, die Zurückstellung des einzelnen erfordern, im Kartell zur Geltung und Durchführung zu bringen, so machen wir uns lächerlich! Derselbe Mangel, dieselbe 'Schlaffheit wird auch bei der Ausführung aller unserer künftigen Beschlüsse um sich greifen, und dann wäre es besser, ..wenn das Kartell überhaupt keine Beschlüsse mehr faßte. Es kommt daher in diesem Augenblick darauf an, daß alle diejenigen unter uns, denen es um das Kartell Ernst ist, die selber die Beschlüsse des Kartells, soweit sie an ihre eigene Person Anforderungen stellen, zur Durchführung gebracht haben und dadurch vorbildlich sind, darüber hinaus im Kartell wirken und die Führung der Jüngeren übernehmen. Es ist bemerkenswert, daß sich gegen die Beschlüsse des Kartelltags bisher keine Gegenströmungen bemerkbar gemacht haben. Und doch scheint es mir, daß dieses allgemeine Stillschweigen der Bundesbrüder nicht durchweg Zustimmung bedeutet. Diese Zeilen sollen eine Kampfansage sein, eine Kampfansage gegen alle diejenigen, welche gewichtige Gründe gegen d<en augenblicklichen Kurs des Kartells vorzubringen haben. Diese K. J. V.er sollen endlich einmal hervortreten und frei heraus sagen, daß für sie die Beschlüsse des Kartells nicht bindend sein könnten

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