Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3537599-3537761-3537765--5257-3543371- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zum Karlsbader Kongreß 139 palästinensischen Arbeiterschaft zum Teil (Achduth Haawodah, z. T. Hapoel Hazair) sich für das jüdische Regiment einsetzen,. soweit sie dagegen sind, einen Selbstschutz ins Leben rufen möchten, der sich vermutlich nur durch seine schlechte Disziplin von einem» Regiment unterscheiden wird. Es wird darauf hingewiesen^ daß die arabische Polizei im Lande unzuverlässig ist, daß auch unter den englischen Truppen keine besondere Bereitwilligkeit besteht, die Juden zu schützen, und daß die akute Gefafir für Leib und Leben Maßnahmen notwendig macht, auch wenn noch so viel grundsätzliche Erwägungen dagegen zu sprechen scheinen. Insbesondere ist diese Richtung davon überzeugt, daß das Verhältnis zu den Arabern durch die Wiederbelebung des jüdischen Regiments keinerlei Trübung erfahren dürfte. Es ist bemerkenswert, daß Freunde und Gegner der Legion einig darüber sind, daß wir in Zukunft ganz anders als bisher uns um Verständigung mit den Arabern zu bemühen haben. Diese Verständigung kann auf diplomatischem Wege erfolgen, ab^auch auf dem Wege wirtschaftlicher, kultureller und hygienischer Beeinflussung. Es ist die Frage zu prüfen, ob unsere zu gründende Agrarbank auch den arabischen Fellachen Kredit geben soll, womit sie sie aus den Händen der arabischen Wucherer befreien würde. Es ist über die Möglichkeit von Schulen zu sprechen, in die arabische und jüdische Kinder gehen, wodurch kulturelle Gemeinsamkeiten geschaffen werden, es besteht die Notwendigkeit, unsere medizinischen Einrichtungen der arabischen Bevölkerung zugute kommen zu lassen. Auf der Prager Aktions-Komiteesitzung ging die Stellung aller Kenner der Verhältnisse dahin, daß eine zu pessimistische Beurteilung der Araberfrage nicht am Platze sei 3. Die Kolonisation: Die Schwäche lyiserer augenblicklichen Position gegenüber den Arabern und gegenüber England beruht letzten Endes auf der Tatsache, daß wir in Palästina seit Friedensschluß nichts geleistet haben. Die Araber glauben nicht mehr an unsere Macht, an unsere Fähigkeit das Land aufzubauen, und Englands Position gegenüber unsern Gegnern wird immer schwerer, je weniger, Leistungen wir aufweisen können. Über die Gründe des bisherigen Zustandes besteht seit Monaten ein erregter Streit, aber dieser Streit und die Frage der Schuld ist heute nicht entscheidend. Der innere Konflikt in- Amerika, die dadurch hervorgerufene Geldnot, die Teuerung in Palästina, die uns zwang, alle Mittel für die Aufrechterhaltung des Bestehenden zu verwenden, und uns kein Geld für neue produktive Tätigkeit übrig ließ ,sind die entscheidenden Momente. Der Erfolg Weizmanns und Ussischkins in Amerika und der erfreuliche Beginn der Keren hajessod- Aktion, sind darum als ein direkter Anfang praktischer Palästinaarbeit zu werten. Man kann wohl sagen, daß dieser Erfolg Weizmanns in Amerika seinen politischen Erfolgen gegenüber den Mächten als absolut gleichwertig an die Seite zu stellen ist. Mail