Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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140 Zum-Karlsbader Kongreß muß bedenken, daß es ihm mit wenigen Leuten gegen den ganzen ausgedehnten Beamtenapparat des amerikanischen Zionismus, gegenüber den anerkannten Führern gelang, den Keren hajessod- Gedanken durchzusetzen und eine zu seiner Durchführung entschlossene Leitung zu wählen. Die wichtigste Aufgabe des kommenden Jahres ist nun also, mit den hoffentlich eingehenden großen Keren hajessod-Beträgen etwas in Palästina zu schaffen. Wir werden das Bestehende zu unterhalten haben, aber wir werden den Betrag, den diese Unterhaltung kostet, auf das denkbar geringste Maß beschränken müssen, wir werden zum Beispiel das palästinensische Judentum veranlassen müssen, selbst einen Teil des Schulbudg-ets zu tragen, um eine große Zahl unserer Eingänge für neue Aufgaben im Lande frei zu haben. Es wird dem Kongreß ein Vorschlag vorliegen, den das Aktions-Komitee gebilligt hat. Dieser Vorschlag stellt das heute mögliche Kolonialprogramm dar. Es ist eben zwecklos, heute ein für Jahrzehnte berechnetes Prograiflüi aufzustellen. Wesentlicher ist es, für eine kurze Spanne Zeit die Aufgaben zu erfüllen, für die wir den Eingang der Mittel . einigermaßen sicher voraussehen können. Wir haben in den letzten zwei Monaten zwei erfolgreiche Bodenkäufe gemacht: den einen in der Ebene Jessreel, den andern in Jerusalem. Weitere Bodenkäufe werden im nächsten Jahre erfolgen müssen. Der Voranschlag sieht für Bodenkäufe einen Betrag von 300 000 Pfund aus Keren hajessod-Geldern vor, einen Betrag, der sich noch durch die N. F.- Eingänge vermehren wird. Ein zweiter Posten des Voranschlages besteht in der Ansiedlung von 500 Kolonistenfamilien, der vielleicht im ersten Jahre noch nicht gänzlich ausgeführt werden kann, aber zu beginnen ist. Wir werden, wenn dies durchgeführt wird, unsere landwirtschaftlichen Stellen im Lande auf beinahe doppelte Stärke bringen. Das dritte Problem betrifft den Bau von 2500 Häusern, der erheblich zur Linderung der Wohnungsnot beitragen und überdies zahlreiche jüdische Arbeiter beschäftigen wird. Der Kongreß wird diesen Plan zu prüfen haben, und ihm vermutlich zustimmen. Wenn er durchgeführt wird, würde das einen entscheidenden Wiederbeginn unserer Arbeit im Lande bedeuten. — Es ist interessant und ein Beweis für die Richtigkeit der gerade im K. J. V. so oft vertretenen Meinung, daß die Grundsätze der sozialistischen und nichtsozialistischen Gruppen 'größtenteils versehwinden, sobald wirklich positive Probleme der Palästinaarbeit, entstehen. Denn das oben kurz skizzierte Programm ist von den Arbeiterparteien ebenso gebilligt worden, wie von den sogenannten bürgerliehen Gruppen. Der Sozialismus schrumpft heute zusammen in der Frage, ob Bauernsiedlung oder Kwuzah zu bevorzugen ist, und da zeigt sich, daß die Arbeiterparteien viel vernünftiger sind, als ihre Vertreter in Europa; denn die Arbeiter Palästinas haben beschlossen, daß diejenigen Kwuzoth am 1.Oktober aufhören sollen, die bis dahin noch immer mit Defizit arbeiten. Unrentable Koloriisationsmethoden sind abzulehnen, rentable durch-