Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 4 (Juni 1921)
- Date
- 1921-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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138 _*t Zum Karlsbader Kongreß Wir haben mit der Feindschaft der Araber und mit der "ablehnenden Haltung des Vatikans zu rechnen. In England selbst besteht eine starke Neigung zum Sparen und damit zur möglichsten Herabsetzung der Ausgaben für Palästina und im engen Zusammenhang damit der Wunsch, den Arabern entgegenzukommen. All . diese Dinge erklären die zurückhaltende Politik Herbert! Samuels, ohne sie damit zu rechtfertigen. Nimmt mannun die aktuellen Vorgänge hinzu, vor allem den Pogrom in Jaffa und das berechtigte Erstaunen der englischen Regierung über unsere Untätigkeit in Palästina, so begreift man die Schwierigkeit der heutigen Situation. Es'hat sich auch immer wieder gezeigt, daß man sich dem gegenüber nicht auf die Balfourerklärung berufen kann. Sie ist zu allgemein gehalten, als daß sie die Möglichkeit präziser, politischer Forderung gäbe. Es gibt in dieser Lage verschiedenes für uns zu tun. Das Entscheidende wird ohne Zweifel die Sache Weizmanns sein, und in diesen Dingen wird der Kongreß nichts besseres tun können, als sich zurückzuhalten und nur die Grundlinien unserer Politik zu bestimmen. Es muß erreicht werden, daß aus der Balfourerklärung seitens der Mandatarmacht positive Schlüsse gezogen werden, bestimmte wirtschaftliche Konzessionen müssen verlangt werden und Abberufung bestimmter, antizionistischer Beamten in Palästina. Wichtiger aber ist, was wir selbst in dieser Lage zu . tun haben. Das führt uns auf das Araber-und das Kolonisationsproblem. 2. Die Araberfrage: Die bedauerlichen arabischen Ausschreitungen in Palästina haben in unserer Mitte den Wunsch wachgerufen, daß durch geeignete Maßnahmen Leben und Eigentum der Juden in Palästina gesichert werden. Es ist bekannt, daß insbesondere Jabotinsky die Forderung vertritt, das jüdische Regiment, das während des Krieges bestand und dann demobilisiert wurde, wieder ins Leben zu rufen, und die Sitzung des Aktions- Komitees in Prag hat in einem Beschlüsse diese Forderung erhoben. Es ist hoch nicht zu beurteüen, ob diese Frage Gegenstand des Kongresses sein wird. Es hat vielleicht kaum je eine politische Frage im Zionismus gegeben, bei der die Entscheidung so schwer ist. Ein großer Teil unserer Gesinnungsgenossen lehnt aus allgemeinen pazifistischen Erwägungen heraus das Regiment ab, vor allem aber in der Erinnerung an die Rolle, die die „Legionen" in Polen und der Tseh£eho -^Slowakei gespielt haben. Dort handelte es sich um nationale Eroberungstruppen, die, schlecht diszipliniert, sich schwere Ausschreitungen gegen andere nationale Gruppen zu schulden kommen ließen und eine Atmosphäre des Hasses geschaffen haben, die noch heute fortdauert. So glauben viele, daß durch die Wiederbelebung des jüdischen Regiments das Verhältnis zu den Arabern für Jahrzehnte vergiftet wird und empfinden es überhaupt als einen schweren Schlag gegen unsere Idee, wenn wir unsere Position in Palästina mit müitärischer Macht aufrecht erhalten wollen. Auf der andern Seite ist charakteristisch, daß die Vertreter der