Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 3 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537761-3537764--5233-3543346- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
118 Vom Berufs-Ressort Edutation Departements des Wäad - Haztrim Jerusalem, den 7 Adar 1. An das Präsidium des K.J. V. - Wir erfüllen hiermit die Bitte des Dr. Ruppin und antworten Euch auf Euren Brief über die Vorbereitung von Studenten zum Unterricht an palästinensischen Schulen. Unsere Volksschulen in den Kolonien und um den Städten sind nach dem System der europäischen Volksschulen eingerichtet. Die Lehrer, die an diesen Schulen tätig sind, sind größtenteils am Lehrerseminar in Jerusalem ausgebildet worden, doch gibt es auch nicht wenig Lehrer, die ihre Ausbildung an palästinensischen oder ausländischen Mittelschulen genossen haben. Außer der fachlichen Vorbildung wird von Kandidaten aus dem Auslande auch eine gründliche Beherrschung der Sprache verlangt. Junge Leute aus dem Auslande können" auf Stellen in diesen Schulen rechnen, wenn sie sich im Laüfe von zwei Jahren in Hebräisch vorbereiten, so daß sie es in Wort und Schrift völlig beherrschen. Jetzt brauchen wir keine Lehrer; aber zu Beginn des kommenden Schuljahres können wir eine beschränkte Zahl von neuen Lehrern — hauptsächlich für Naturwissenschaften, Gesang, Turnen und Zeichnen — aufnehmen. Erforderlich ist, daß der Lehrer nicht nur ein Fach unterrichten kann, weil wir im wesentlichen Lehrer an solchen Orten brauchen, wo es nicht viel Schulen und daher auch nicht genügend Stunden für ein Fach gibt. Im Lande gibt es folgende Mittelschulen: zwei Gymnasien, in Jaffa und Jerusalem, drei Seminare, ein allgemeines und eins für Orthodoxe in Jerusalem und ein Seminar für Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen in Jaffa. Das Programm dieser Schulen unterscheidet sich nicht sehr von dem der entsprechenden Institutionen in Europa- Von fremden Sprachen wird bei uns hauptsächlich Englisch in sämtlichen Klassen der. Mittelschulen und den oberen Klassen der Volksschulen gelehrt Ich glaube nicht, daß die jungen Leute, die sich in Deutschland vorbereiten, im Unterrichten dieser Spracne mit Lehrern und Lehrerinnen wetteifern können, die aus England und Amerika nach Palästina kommen. Französisch> wird in den Mittelschulen unterrichtet, aber in beschränkter Stundenzahl; in dieser Sprache werden wir für das nächste Schuljahr keine neuen Lehrer gebrauchen. Lateinisch und Griechisch sind jetzt von dem Programm unserer Mittelschulen gestrichen Worden, und in nächster Zeit werden diese Sprachen kaum in den Unterrichtsplan aufgenommen werden. Der unsichere Etat unserer Schulen gestattet uns nicht, die Arbeit in unseren Mittelschulen zu erweitern, und deshalb werden wir wahrscheinlich gezwungen sein, die Arbeit entsprechend der Zahl der im Lande vorhandenen Lehrer zu beschränken, aber auch bei dieser Einteilung brauchen unsere Schulen jährlich vier bis fünf neue Lehrer in Naturwissenschaften, Physik, * allgemeine und jüdische Geschichte und Literatur. Ich begnüge mich heute mit kurzen Anmerkungen und bin bereit, Euch auf alle weiteren Fragen zu antworten. Hochachtungsvoll gez. I. Lürie Bemerkung: Zu dem vorstehenden Brief aus Palästina muß natürlich bemerkt werden, daß er von den gegenwärtigen Verhältnissen im Lande ausgeht. Die Möglichkeit der Errichtung neuer Schulen und die dadurch bewirkte Gelegenheit, eine große Anzahl neuer- Lehrer im Lande zu beschäftigen, ist überhaupt nicht berücksichtigt. Ebensowenig ist in diesem Briefe davon die Rede, ob die WahjL der Lehrfächer*, wie sie jetzt in Palästina übüch ist, wirklich auf Grund eingehender Überlegung entstanden ist, oder ob sie nicht vielmehr;'nur eine augenblickliche Lösung darstellt und bald Veränderungen eintreten werden. Hoffentlich werde ich dem Kartell bald eingehenderes Material besorgen können. x Fritz Löwenstein