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Der jüdische Student · 1921-04-01 · Heft 3 (April 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 3 (April 1921)
Date
1921-04-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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114 Palästinäkurse " Sprache. Daher holt man sich grammatischen Rat aus dem Koran resp. der Bibel. Eine derartige Sache ist für europäische Begriffe einfach ungeheuerlieh. Man stelle sich z.B. vor, die deutschevSprache solle sichin ihren heute gültigen grammatischen Formen nach der Sprache —- des Nibelungenliedes richten, was dem Gesagten innerlich entsprechen würde. Dieses Normierungsbestreben zeigt sich auch deutlich im Erbschaftsrecht, das infolgedessen im Islam eine merkwürdige- Mischung von Jura und Mathematik darstellt. Diese Normierung hat ihren Grund zu suchen in der Einstellung zur Religion. Man hätte also auch in einem solchen Palästinakurse das Wesen und die Eigentümlichkeit der Religionen Palästinas zu beleuchten. Viel Typisches dieser Art hat wohl seinen Ursprung zu suchen in der ganz starken Lebensverbundenheit und Lebensbejahung der meisten Semiten, was aufzudecken vielleicht die wichtigste Aufgabe wäre. Man sieht also hier, wie verschieden diese Welt von der unsrigen ist, wie es sich hier um ganz andere Kulturkomplexe handelt, wie hier ganz andere Vorstellungen und Anschauungen herrschen. — Dies "ergäbe deutlich auch noch ein Vergleich der philosophischen Grundlagen des Orients und des Okzidents (ich mache hier aufmerksam auf das Wesen der Zahl, überhaupt der Mathematik, der Logik usw. Dinge, die man übrigens auch im Talmud verfolgen kann). Der Semit hat eine ganz besondere psychologische Einstellung, ein ganz anderes Fühlen. Dies kommt auch in der Kunst, ganz besonders in der Musikv klar zum Ausdruck. Für den europäischen Menschen enthält die Musik einen isolierenden Selbstzweck. Sie ist die Sache des Individuellen; der einzelne wird für sich berührt — im höchsten Falle werden Massen von einzelnen von ihr ergriffen. Für den semitischen Menschen dagegen ist die Musik mit ihrer rhythmisch so zentralen Steigerungsfähigkeit das ein innerstes Zusammenfassen der Menschen Ausdrückende: Der Semit empfindet nicht als einzelner, sondern er findet seine Steigerung als Glied des Ganzen — daher ist hier ganz wesentlich der Tanz. — Der europäische Mensch empfindet seine musikalische Steigerung in erster Linie als melodisches Ausmaß (Höhe und Tiefe) und melodische Verknüpfung; der orientalische hauptsächlich durch Wiederholung der rhythmischen Teile, durch das Beschleunigen und Zurückhalten. So gelangt er zur Extase, zum Hith-. lahabuth. Dieses vermögen wir ganz deutlich auch im Larsidismus, in den Liedern der Fellachen und ganz besonders in Arnos, Kapitel % zu erkennen. Der verschiedene Kulturausdruck ist auch in der bildenden Kunst, ganz besonders in der Plastik und im Mosaik (Einlegearbeiten) festzustellen. Hier kann man deutlich den europäisch-ägäischen Einfluß erkennen, der sich hauptsächlich in der häufigen Verwendung der Spirale, die später (zur dorischen Zeit) in die geometrische Figur überging, äußert. . III. Der Kursleiter. Hiermit wäre eine Andeutung ungefähr dessen, was ich meintey gegeben, die natürlich #ieht den Anspruch erhebt, mehr als eine Anregung zu sein. (So sprach ich z.B. nicht von der Stellung der Frau, der Kirche usw.) Ein solcher Kursus, der wirklich in die heute in Palästina gelebte Kultur hineinführt, ein Bild vermittelt, ist unbedingt erforderlich; erforderlich aus denselben Gründen, die die Heimatkunde zu einem der Hauptpostulate deutscher Erziehung machen. Umsomehr muß also diese Forderung unserer einzigartigen Stellung entsprechend erfüllt werden. Nicht jeder, ja nur sehr wenige werden in der Lage sein, einen solchen Kursus abzuhalten, und zwar aüs zwei Gründen, einem stofflichen und einem menschlichen. Stofflich ist als Vorbedingung erforderlich, daß der Kursleiter zumindesteris Hebräisch kann und über eine

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