Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 3 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Alt-Herren-Tag 115 bestimmte jüdisch-hebräische Bildung verfügt. Er muß so z.B. ganz gewisse Traktate der Mischna kennen; muß einiges von dem Aufbau des ostjüdischen Lebens wissen usw. usw. Er muß ferner die christliche Religion kennen, ihre Ursprünge und Entwicklung. (Selbstverständlich ist eigentlich die Forderung der Beherrschung der jüdischen Geschichte.) Sehr gut wäre die Kenntnis des Arabischen, da ihm dann viele Tatsachen erst ganz klar werden würden. Dies sind die stofflichen Vorbedingungen zu einer solchen Arbeit. » Aber das andere, mindestens ebenso wichtige Grunderfordernis ist folgendes: der Leiter des Kurses muß als Mensch auf seine Zuhörer wirken können, er muß stellungsfähig und sicher sein; denn sonst wird er den Stoff nicht beherrschen, sondern das Gegenteil wird eintreten: der Stoff beherrscht ihn — — ganz abgesehen davon, daß er gar kein positives Verhältnis zu ihm wi^d gewinnen können. Palästinakurse in diesem Sinne sind erforderlieh, Palästinakurse, welche Kultur vermitteln. Nur wenige werden die Aufgabe zu erfüllen imstande sein; aber diese wenigen gilt es herauszufinden, und in den Dienst unserer Erziehung zu stellen. — Eigentlich selbstverständlich ist es ja, daß jeder, der Lehrer werden will, die erwähnten Dinge treiben muß; denn ist er nicht in der palästinensischen Kultur heimisch, wer denn sonst? Dcf Alt ✓ Herren 'Tag Am 27. März d. Js. fand in Berlin dem Beschluß des Kartelltags gemäß ein vom Präsidium einberufener Alt-Herren-Tag statt. Die Tagung litt sowohl bei den Verhandlungen als auch bei den gesellschaftlichen Veranstaltungen aufs schärfste darunter, daß der Berliner Bezirksverband zurzeit nicht dazu geeignet ist, den Rahmen für eine derartige Veranstaltung abzugeben. Die Berliner Alten Herren sind zum großen Teil zionistisch so uninteressiert und der zionistischen Betätigung so fremd, daß alle Versuche zu ihrer Inaktivierung scheitern. Die Verhandlungen des Alt-Herren-Tages waren von etwa 80 Berliner und 25 auswärtigen Bundesbrüdern besucht. Zu dem Begrüßungsabend hatten sich etwa 100 Bundesbrüder mit ihren Frauen eingefunden. Wenn man davon absieht, daß infolge des Fehlens einer großen Korona der notwendige Resonanzboden nicht vorhanden war, kann man sagen, daß der Alt-Herren-Tag angeregt verlaufen ist und die Möglichkeit für eine weitere Alt-Herren-Arbeit geboten hat. Die Diskussion war sachlich und stand auf einem hohen Niveau. Das Präsidium hat es mit Rücksicht auf die geringe Teilnehmerzahl nicht für zweckmäßig gehalten, formell bindende Beschlüsse zur Abstimmung gelangen zu lassen. Als Ergebnis der Verhandlungen könnte man folgende Punkte festhalten: fast ausnahmslos stellt man sich auf den Standpunkt, daß die Alt- Herrenschaft des K. J. V. sich auch als solche mit zionistischer Politik und mit den Zuständen der zionistischen Organisation zu befassen habe. Dabei war man sich darüber klar, daß weder eine einseitige Festlegung des Kartells auf die Politik einer Fraktion wünschenswert wäre, noch daß eine Identifizierung des K. J. V. mit einer bestimmten Fraktion zulässig sei. Man war sich darüber einig, daß von jedem Bundesbruder unbedingt ein seinen Kräften entsprechendes Maß von zioni s tis eher Betätigung gefordert werden müsse, und daß für diejenigen Leute kein Platz im Kartell sei, die infolge ihrer Verwurzelung im Erwerbsleben an der zionistischen Arbeit keinerlei Anteil mehr nehmen. Diese Anschauung wurde insbesondere in einer mit lebhaftem Beifall begrüßten Rede von Egon Rosenberg dargelegt, deren Gedankengänge in dem