Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 3 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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<P4lästin$kurse 1X3 augenblicklich gelebte, die dort pulsierende Kultur uns zu vergegenwärtigen versuchen. Nur dann werden wir wahrhaft schöpferisch am Aufbau -einer Zipnskultur wirken können, einer Kultur, welche das Galuth überwunden hat. Diese Binge, die wirklich v e r arbeitet, d. h. er arbeitet, erlebt werden müssen,, haben wir alsdann in den Kursen zu vermitteln. Das, was bisher an Stoff geboten -wurde, beschränkte sich vornehmlich auf jüdiseh- -wirtschaftüehe Angelegenheiten, wie Kolonisation, Handel, Verkehr . . ., abgesehen von den ganz primitiven Grundlagen, wie Geographie, Klimatik usw. usw. Meiner Meinung nach bedeutet, so betrieben, jeder Kursus eine Zeity^erschwendung; denn all dieses kann man bequem in Büchern nachsuchen, die einem jeden zugänglich sind (Nawratzki, Ruppin öttinger, Trietsch usw.). Natürlich soll hiermit nicht gesagt sein, daß wirtschaftliche Dinge von der Betrachtung ausgeschlossen sind. In einem Kurse — wie ich ihn fordere — kommt es aber nicht darauf an, nachzuweisen, wieviel Orangen z. B. jährlich exportiert werden und in einem englischen Hafen verfaulen — —.' II. Rätschläge. Folgende Frage erhebt sich nun: Wie ist ein solchen Ansprüchen genügender Kurs zu fundieren und zu gestalten? - Schon aus räumlichen Gründen kann es nicht die, Absicht dieser Zeilen sein, nun ein genau ausgearbeitetes Programm zu geben. Sie sollen lediglich anregen, auf gewisse Probleme führen, die sich im Laufe meiner eigenen Vorbereitung zu einem ähnlichen Kurse an mich drängten. Einem jeden ist der Gegensatz Orient - Okzident bekannt. (Wenn ich hier von „Orient" spreche, habe ich ständig nur den semitischen Orient im Auge.) Nun steht aber das heutige Palästina durchaus nicht so polar gegensätzlich zu Europa wie z. B. Arabien, sondern es bildet eine Übergangsstufe. Hier berührt und mischt sich vieles aus allen möglichen Kulturkreisen Stammende, aus europäischen. und asiatischen, aus semitischen und nichtsemitischen, aus jüdischen, christlichen und islamischen usw. usw. Öiesen Zustand zu verdeutlichen ist die erste Forderung und Aufgabe. Man könnte es z.B. gut an der Glaubenslehre der Nosairier, einer islamischen Sekte in Erez Israel und Syrien, zeigen, in welcher ganz stark parsistische Einflüsse sich bemerkbar machen. Man könnte ferner an den Drusen, einer nationalen Religionseinheit im Hauran, zeigen, wie hier die ägyptisch - hellenische Philosophie und Mythologie (Neuplatonismus, Guostizismus u. a. m.) wirkten usw. Ein anderes Merkmal ist die Vermeidung absoluter, abstrakter Forderungen, das Fehlen derartiger Tatsachen. Diese Dinge kann man z. B. ganz deutlich in den orientalischen Religionen erkennen. Einen Islam allgemeiner Geltung gibt es nicht. Der Islam in Palästina ist grundverschieden von dem in Indien und der in Indien grundverschieden von dem in Algier. In Palästina sieht man dies sehr gut an den Sekten (ich erwähnte bereits die Nosairier und Drusen), die in gewissen Punkten eine direkte Fortsetzung der* alten syro - phönizischen Kulte bilden. Genau im selben Falle ist die christliche Kirche Palästinas; man hätte hier auf den Gegensatz zwischen der Organisation der römischen und der der griechisch-orientalischen Kirchen hinzuweisen. Dasselbe Prinzip findet man ferner in' der Sprache und im Recht. Es gibt z. B. kein „Hocharabisch" in dem Sinne,, wie es ein Hochdeutsch gibt. Jedes Land, jede Landschart hat seinen eigenen Dialekt, zumindestens seine eigene Aussprache usw. Ein drittes, der semitischen Kultur Eigentümliches ist der Drang zur Normierung, den wir zu erkennen vermögen: im Arabischen, im. Hebräischen, im Recht usw. Gott - Allah hat die heiligen Bücher aufzeichnen lassen durch seine Propheten Moses resp. Mohammed. Diese Bücher sind in seiner Sprache geschrieben. Folglich ist diese Sprache göttlich, und folglich ist sie die' Norm der arabischen bzw. hebräischen