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Der jüdische Student · 1921-04-01 · Heft 3 (April 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 3 (April 1921)
Date
1921-04-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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106; nicht naturalisierte ost;üdische Lehrer -von auswärts, nicht .heranziehen, können. Beide Verbindungen haben sich in dieser Beziehung vergebens bei den Behörden bemüht. Würzburg hat im nächsten Semester keine' Möglichkeit, Hebräisch eu lernen, während in München,'.wie bisher, sehr bescheidene Lernmöglichkeiten bestehen, die nicht entfernt den- Ansprüchen der dortigen Verbindungen und des Blau-Weiß genügen; _ In Leipzig wurden zwei Anfängerkurse von Bundesbrüdern gegeben, der erste, bessere, zweimal, der . zweite, völlig ungenügende, gar nur einmal wöchentlich. Da der Leiter des ersten Kurses Leipzig verlassen hat, steht der Umfang der, hebräischen Arbeit im nächsten Semester noch nicht fest. ' . , In Gießen ist der'hebräische Unterricht kläglich ..gescheitert? teils wegen mangelnder pädagogischer Fähigkeiten des unterrichtenden Bundesbruders, teils aber auch, weil die, Bundesbrüder dem Hebräischen ein* zu geringes Interesse entgegenbrachten. Es besteht Aussicht, daß' Frau.. Dr. Smoira dort im nächsten Semester Unterricht erteilt. Karlsruhe endlich hat zwar einen guten Kurs für Fortgeschrittene, jedoch aus Lehrermangel keinen Anfängerkurs, Das hier vorgetragene Materrai enthüllt deutlich die Misere der hebräischen Arbeit im Kartell.- Ob nun die eine Verbindung zu ungünstig beurteilt worden ist, oder die andere in zu rosigem Licht erscheint, ist für die Beurteilung der Gesamtlage, wie schon vorher gesagt wurde, ohne Bedeutung. Eins.steht fest: bei diesem Zustand ist eine erfolgreiche Arbeit auf die Dauer unmöglich, fis ist nicht allein der Mangel an wahrer zionistischer Gesinnung, der diese Lage erklären kann. Gewiß, daß oft die Unlust zum Hebräisehlernen aus einem Manko an Zionismus resultiert, und, geradezu als untrügliches Syra p t o m für diese Tatsache dienen kann,, läßt sieh nicht leugnen. Andererseits aber vergeht vielen durchaus Lernbegierigen die Lust zum Lernen bei der Art, wie das Hebräische in vielen Verbindungen betrieben wird. Der wesentliche Grund für die Tatsache, daß es mit denT Hebräischen nicht recht vorwärts will, ist die völlige Anarchie der hebräischen Arbeit im Kartell sowohl in organisatorischer Hinsicht als auch in der Methodik des; Unterrichts. Diese Anarchie hat eine besonders verhängnisvolle. Wirkung gerade bei einer studentischen Organisation wie sie das .Kartell darstellt, wo viele Mitglieder ein fluktuierendes Element bilden und es bei der Uneinheitlichkeit der Unterrichts fast unmöglich wird, daß die in eine andere Verbindung Überwiesenen ihre hebräische Arbeit in einer Weise fortsetzen können, die ihrer bisherigen Ausbildung konform ist. So kommt es, daß viele immer wieder von vorne anfangen oder doch nie 'über die Anfangsgründe der Sprache hinauskommen; andere, die weiterkommen wollen, bleiben ohne solide Grundlage und vergessen in den Ferien noch das bißchen, was sie gelernt haben. Überhaupt wirken die langen Semesterferien bei dieser Anarchie doppelt verderblich. Nimmt man noch die Planlosigkeit der Unterrichtsmethode hinzu, die. in vielen Verbindungen herrscht, so erkennt man klar die Unnahbarkeit des jetzigen Zustandes. Man beginnt ohne sich vorher einen Plan für das ganze Semester aufgestellt zu haben, ohne dem Unterricht ein festes Ziel gesteckt zu haben, darauf los zu lernen, meist mit bald erlahmendem Eifer. Die Erfolge kann man nachher aus den Überweisungsformularen erkennen: „Hebräische Kenntnisse: 20 Lektionen im Rath",*selbst „30 Lektionen im Rath", ja, bei älteren Bundesbrüdern, die schon oft begonnen haben, finden sich sogar solche, die über die 40. Lektion hinausgekommen sind. Diese Selbsteinschätzung mit den paar lumpigen Lektionen des Rath ist leider typisch für die Auffassung vom Hebräischlernen, wie sie bei vielen Bundesbrüdern besteht. An welcher Stelle soll man hier eingreifen? Der letzte Kartelltag hat eine Einrichtung geschaffen, welche die Möglichkeit einer einheitlichen Organisation - des. hebräischen Unterrichts gibt. Ich meine das hebräische Inaktiven-

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