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Der jüdische Student · 1921-04-01 · Heft 3 (April 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 3 (April 1921)
Date
1921-04-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Bericht über die Tagung der Unterrichtskommission 97 Normen. Es gibt aber keine zu zerstörenden jüdischen Normen. Eine Übertragung der Gedanken der deutschen Jugendbewegung auf unsere Bewegung würde bedeuten, eine halbe Revolution gegen ein halbes Leben, ein Loslösungsprozeß vom Volke/ nicht aber die Absonderung einer Zelle vom Staate, aus welcher neues Leben erwachsen könnte. Die wirkliche jüdische Revolution, der Zusammenbruch der allgemein bindenden jüdischen Norm hat schon vor 130 Jahren angefangen. Heute handelt es sich nicht um Zerstörung, sondern um Aufbau, um die Politisierung unserer Menschen. Es handelt sich darum, unsere Menschen zu einer zentralen Aktion mit verpflichtenden Gesetzen zu bringen-. In kulturellen Dingen wird die heutige Periode der jüdischen Geschichte der Nachwelt kläglich erscheinen. Große Leistungen sind hier unwahrscheinlich, da sie nur auf Grund des Volkslebens, im eigenen Lande erwachsen können. Politisch jedoch müssen wir auf unsere Nachfahren ungeheuer wirken; denn unser Geschlecht ist das, in dem wieder zwingende Gewalten geboren werden, das Zeitalter der Stiftung, der schaffenden Tat. Solche Taten gehen nur aus von den nichtwissenden, den selbstsicheren, instinktiven Menschen. Mosesnaturen kommen stets" von außen, da sie die Kompliziertheit nicht ahnen und von der Vergangenheit nicht belastet sind. Palästina ist heute die Aufgabe des Galuth, abhängig vom gestaltenden Willen des Galuth. Dieser schaffende Wille lebte bisher im geistigen, unterirdischen Judentum, heute soll er zugleich offizielles, wirkliches Judentum erzeugen, ein wirkliches Kennzeichen der Umschaffung des jüdischen Menschen sein. Das jüdische yblk verlangt heute nach Stiftung, Ordnung und Satzung. Alles Beschlossene muß für uns zwingend, das Gegenwärtige, von uns Erzeugte für uns heilig sein. Nach dem Kriege gab es im K. J. V. nur einige Aktive und eine Menge Beisitzer, die gleichsam als „die Herren Geschworenen" fungierten. Trotzdem fanden die wenigen Aktiven Resonanz im Kartell, einem Boden, in dem größere Menschen gedeihen können. Man ließ sich ihre Führung gefallen. v Die beginnende Verwirklichung des Nationalismus brachte Menschen hervor, welche Lehrende und Lernende zugleich waren. Sie brachte aber auch Menschen hervor, welche verschwommene Phrasen von Idealismus im Munde führten, auf der andern Seite vertrocknete Menschen,, welche kein Gefühl für Wirkung besitzen; denn nur der universelle Mensch, der uferlose, unbegrenzte Mensch kann schaffend sein. Trockene Menschen bleiben klebend, unwirksam. Uns liegen begrenzte Ziele vor, und diese Ziele haben für uns nur einen Sinn, wenn sie nach den zentralen Gesetzen gefügt sind. Es ist gleichgültig, ob der Wille entscheidend ist oder nicht; entscheidend ist, wie die Menschen sich dazu verhalten, daß Leben und Denken übereinstimmt, ein Beispiel hierfür ist Krapotkin, welcher durch sein eigenes Leben Wirklichkeit geschaffen hat. Es kommt darauf an, daß die Menschen in der Bewegung stets mit dem Bewußtsein leben: auf uns kommt es an. Nur dieser Glaube vermag neue Tatsachen zu schaffen. Und dieses gilt, ganz unabhängige davon, ob wir der Meinung sind, daß wir nur die Dinge beschleunigen, welche sich doch in einer bestimmten Richtung fortentwickeln müssen, oder ob wir der Ansicht sind, daß die notwendige Entwicklung die Assimilation sei, gegen die wir uns aufbäumen können und deren, Entwicklung wir verhindern können, indem wir ihr. die neue Tatsache, den Nationalismus, entgegensetzen. Es kommt hier nicht auf die Weltanschauung an, sondern auf die seelische Haltung des einzelnen zu seinem eigenen Tun. Das Entscheidende ist die Organisation, die Ausgestaltung des Gesetzes, die Schaffung zwingender Einrichtungen, die Vergewaltigung des Mensehen durch neue Gesetze. Diese Neuschaffung, diese Umartung steht im schärfsten Gegensatz zur Vereinzelung, zur Absonderung. Beschlüsse sind erst dann gut, wenn eine * Organisation, ein politisches Gebilde schon vorhanden

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