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Der jüdische Student · 1921-04-01 · Heft 3 (April 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 3 (April 1921)
Date
1921-04-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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„Zionistische Dienstpflicht 89 beteachten, daß Zionist sein heißt,.ein Vorkämpfer für den Judenstaat sein. Wenn die Übereinstimmung in der Idee schon dazu nicht ausreicht, so reicht sie gewiß nicht dazu, um das Gefühl der Bundesbrüderlichkeit zu begründen. Ja, im Gegenteil, irgendein ' Jude, der bisher in assimilatorischem Kreise -gelebt und gedacht *hät und der durch die historische Entwicklung der Judenfrage so erschüttert wird, daß er sieh bereit erklärt, für seinen Teil mitzuarbeiten, ohne alle Teüe der zionistischen Ideologie zu akzeptieren, steht mir wirklich näher, als irgendeiner, der, obwohl er seit Jahren Zionist ist und in zionistischen Kreisen gelebt hat, durch die zionistische Schule des K. J. V. gegangen ist und heute nicht soviel zionistisches Pflichtgefühl aufbringt, um einen so lächerlich kleinen Teü der Volksarbeit auf sich zu nehmen, wie wir sie jedem Bundesbruder durch die freiwillige Dienstpflicht zumuten. ' ** Wir haben auf dem Alt-Herren-Tag erörtert, ob wir die Dienstpflicht zu einer obligatorischen machen sollten. Ich meine, wir sollten die Bundesbrüder über die tatsächlich zu leistenden Pflichten aufklären, alle organisatorischen Möglichkeiten schaffen, um die zionistische Leistung aus ihnen herauszuholen, aber wir sollten nicht einen Beschluß fassen, der uns vor uns selbst lächerlich macht. <• Wir machen uns lächerlieh, wenn wir uns ein Gesetz schaffen, das jeden K. J. V.er die Erfüllung der primitivsten zionistischen Pflichten auferlegt. Dieses Gesetz muß doch in jedem selbst leben oder er gehört nicht ins K. J. V. Sind diese großen Worte, die in unserer Jugendzeit in Tendenzreden und Bundesliedern ertönten zu leeren Phrasen geworden? „Treu zu. bleiben bis ans Ende unserem Volk mit Gut und Blut." Die Verse sind nicht schön, aber sie waren gut gemeint. Wenn sich nun noch erweist, daß ihnen die innere Wahrhaftigkeit fehlte, dann sind wir zu einer Gesellschaft von Gesinnungsphilistern herabgesunken, die die Ideale ihrer eigenen Jugend verleugnen. Für eine. Gemeinschaft, die sich tatenlosen Jugenderinnerungen widmet, ist kein Platz mehr im künftigen jüdischen Staatsvolke, oder vielleicht ist noch kein Platz, denn es wird vielleicht einmal eine Zeit kommen, wo auch in unserem Volke Raum sein wird für Gemeinschaften, die nur der Erinnerung oder der Zukunft leben. In der nächsten Epoche unseres Volkes aber werden -als existenzberechtigte Organisationen nur .solche gelten, die positive Arbeit leisten.

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