Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 3 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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84 K. J. V. und Politik ' der möglichen Verschiedenheit von Anschauungen, die . sich auf. der einheitlich gültigen, nationalpolitischen Grundlage erheben).: Aber die Partei kann nicht unsere Aufgabe, die Ausbildung bestimmter guter Eigenschaften übernehmen. Je mehr aber in einer; politischen Gemeinschaft die Organe der Willens-, und .' Anschauungsbildung — hier die Parteien — von Menschen mit guten Eigenschaften bestimmt werden, umso besser wird ihr politisches Leben sein. Deswegen ist unsere politische Funktion — eine Vorbereitung für das unmittelbar aktive politische Leben, die tragende Bedeutung gewinneji soll, — wesentlich für die von Juden zu bildende politische Gemeinschaft. Wenn wir es also ablehnen, bei politisch differenzierten Anschauungen gewissermaßen beschlußmäßig einen Standpunkt festzustellen und zu vertreten, so bedeutet das nicht, daß wir eine' politische Aufgabe für uns statuieren, aber uns zugleich den notwendigen Folgerungen einer solchen Aufgabe entziehen und sie deswegen verleugnen. Vielmehr erkennen wir auf diese Weise die besondere Art unserer Aufgabe. Die Behandlung politischer Gegenstände wird bei uns ihr Gewicht nicht durch den Beschluß, sondern durch die Art der Diskussion erhalten. Sie braucht deswegen nicht weniger Bedeutung für unser Leben zu besitzen. Auch der politische Nutzen dieser Methode wird erheblich sein, denn es ist klar, daß die für die Beschlußfassung berufenen Organe bessere Entscheidungen treffen, wenn die Vorbereitung durch" die Kreise gut ist, mit denen sie in geistiger Verbindung stehen und von denen sie ihre Kräfte erhalten. Im übrigen ist es für einen politisch interessierten Kreis vün Zionisten heutenoeh nicht von allzu großer Bedeutung, wenn er nicht die Fähigkeit besitzt, sich für eine bestimmte Art innerzionistischer Anschauungen zu entscheiden. Abgesehen von der nationalen Grundfrage, deren Beantwortung hier unter die Voraussetzungen gerechnet wird, über die nicht mehr zu diskutieren ist, sind nur Ansätze zu Differenzierungen vorhanden und es ist keineswegs klar, welche Kräfte in Zukunft die Gruppierungen bestimmen werden. Solche Gruppierungen werden erst mehr von Bedeutung sein, wenn ein politisches Zentrum des Judentums mit so reichem Leben gebildet ist, daß auch innere Differenzierungen nötig sind. Heute sind wir dabei, dieses Zentrum, in manchem Sinne künstlich, in Palästina zu schaffen.. Vielleicht wird für das K. J. V., als eine Organisation außerhalb Palästinas, einmal die Entfernung vom politischen Schwerpunkt des jüdischen Lebens zu groß werden, so daß ihm die Teilnahme am politischen Leben zu schwer wird und keine Energieen mehr verleiht. So weit sind wir hoch nicht. Solange es noch die entscheidende politische Aufgabe ist, das Zentrum aufzubauen, ist die Teilnahme am politischen Leben, möglich und geboten für alle, die an diesem Aufbau mitzuwirken haben. So lange werden auch die Beziehungen zur zentralen politischen Aufgabe eng und unmittelbar genug sein, um