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Der jüdische Student · 1921-03-01 · Heft 2 (März 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 2 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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Bücherbesprechungen 69 In Österreich schlägt man zum gleichen Ziele einen andern Weg ein: einerseits wird den Juden unter dem Deckmantel einer besonderen Vergünstigung (Zulassung zu höheren Schulen) die umgebende Kultur mit Gewalt oder List eingeflößt; anderseits hemmt man jede kulturelle und physische Entwicklung der Juden als Nation (Vernichtung der jüdischen Selbstverwaltung, Normierung der Ehen). Die Gewaltmaßregeln sind hier weniger schwer in das Leben des Individuums, sondern mehr in das Leben der . Nation eingreifend. Doch das Ziel ist das gleiche wie in Preußen. Dubnow hat die Politik beider Regierungen deutlich genug charakterisiert und sittlich verurteilt. Es ist jedoch meines Erachtens nicht die Aufgabe des Geschichtsschreibers, die Taten der Geschichte auf ihren sittlichen Wert hin zu prüfen, sondern das politische Urteil, dem sie entsprungen, nach seiner Sicherheit, Weitsicht und Ehrlichkeit zu bewerten. Und da erscheint mir allerdings die Politik Friedrichs IL von Preußen trotz ihrer Brutalität und Niederträchtigkeit zielbewußter, weitsichtiger und vor allem ehrlicher als die Politik Josephs IL Friedrich IL sieht, in den Anschauungen preußischer Staatsraison lebend, in den Juden ein Übel, das vernichtet werden muß. Klar erkennt er, daß die Juden „unverbesserlich" sind, d.h. unmöglich ihre nationale Eigenart aufgeben können, und auf Grund dieser Erkenntnis schlägt er seine langsame aber mit Sicherheit wirkende Vernichtungspolitik gegen die Juden ein. Seine Politik hätte bei konsequenter Durchführung seitens seiner Nachfolger zu allerstärkster Reduktion, wenn nicht gar Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Preußens geführt. Der Liberalismus- Josephs II. ist kurzsichtig, unsicher und unehrlich. Über ein buntes Gemisch von Nationalitäten herrschend, rechnet er nicht mit den nationalen Kräften, die einer restlosen Assimilation widerstreben. Er ist das Urbild jener liberalen Politiker unserer Zeit, welche die „Nutzbarmachung der Juden für den Staat", d.h. in Wahrheit ihre restlose Assimilation erstreben und sie durch individuelle Gleichstellung zur Aufgabe ihrer nationalen Eigenart zu führen suchen. Diese Politik hat versagt. Aus unserer Geschichte sollen wir lernen, die Erscheinung der jüdischen Gegenwart zu verstehen. Eine rücksichtslose Kampfpolitik führt auch in unsern Tagen dort, wo wir zu schwach sind, zu vollständigem Zusammenbruch, dort aber, wo wir stark genug bleiben, zu einem festen nationalen Zusammenschluß und Widerstand. Der Liberalismus vermag aber, nachdem sein Wesen längst erkannt ist, nicht sein Ziel zu erreichen. Unerkannt hat er dem jüdischen Volke manchen schweren Verlust zugefügt. Nur die Schwachen fallen ihm jetzt zum Opfer, der beste Teil des Volkes aber wehrt sich gegen die nationale Selbstentäußerung. L. O. Lyrische Dichtung deutscher Juden (Weltverlag). Ein Versuch, moderne Lyrik, soweit sie von deutschen Juden stammt, in einem Auswahlband zu sammeln, ist durchaus zu begrüßen. Gibt er erhoffte Gelegenheit, sich klarer über Zusammenhänge künstlerischer Freiheit und Gebundenheit aus Traditionen der Herkunft und des Blutes zu werden, so kann dem kritischen Leser Frucht aus der Anthologie erwachsen. Mit Recht hat bei der Auswahl im allgemeinen der jüdische Inhalt keine Rolle gespielt, und es ist nur zu bedauern, daß dieses Programm nicht streng eingehalten wurde und „Verse" eines und des andern eingeschoben sind, offenbar nur wegen der jüdischen Inhalte. Darüber hinaus ist es von höchstem künstlerischen Reiz zu beobachten, wie ähnliche Inhalte von jüdischen Menschen höchster Gestaltungskraft geformt werden. Wenn man von einer Einheit überhaupt reden kann, so spricht aus den Versen der Bedeutenderen dieses Bandes

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