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Der jüdische Student · 1921-03-01 · Heft 2 (März 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 2 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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70 Gründung eines Verbandes zionistischer Arbeiter (allen voran Werfel und Lasker-Schüler, dann Brod und Wolfenstein) das Gefühl übereuropäischer Verbundenheit, Sozialität im weitesten Sinne, klingt auf zu prophetischer Inbrunst, zu letzter Verbundenheit mit menschlicher Schwäche, bleibt in einer gewissen wesenlosen Abstraktheit; gerade dann, wenn Verse Werf eis am stärksten sind (das gilt auch für Brod und Wolfenstein), ist als Ding immer Symbol und nicht als Symbol ^ein Einzelding. Sehr schwer zu sagen, ob diese Art zu fühlen irgendwie jüdisch sei oder ob sie dem kosmischen Ausdrucksgefühl neuer Lyrik entströmt., Sicher ist die Erdnähe Georgischer Lyrik etwa stärker als die irgendeines dieser Verse. Und nur Else Lasker- Schüler hat jene Stärke pantheistischer Beseeltheit, wenn sie in wenigen Zeilen unglaublich stark6 die alten palästinensischen Lieder von Ruth, Jonathan und David wiedergibt. Es erscheint, so großen Reiz es gerade für uns hätte, unmöglich, gefühlte und gestaltete Verse jüdischer Dichter deutscher Sprache, die immer Städter eingestellt in deutsche Kultur, leben, aber meist logisch, oft gefühlsmäßig ihres Judeseins bewußt sind, deutscher oder jüdischer Kulturkunst zuzusprechen. Noch ist nur ein Merkmal da, jüdischem Dichter als Juden zu Eigensinn zu verhelfen: hebräische Sprache. So wird der Versuch einer jüdischen Anthologie dieser Zeit des Erwachens des jüdischen Volkes später von noch größerem Interesse sein als heute,, da wir erst auf dem Wege zur Freiheit sind. Die Sammlung wird viele anregen, Werfel und Else Lasker-Schüler, aus deren Erleben uns gestalten, uns stärkste Verwandtschaft mit größter jüdischer Dichtung, Propheten und Geschichten der Bibel, erhellt, über diesen Rahmen hinaus zu lesen. Vielleicht schenkt der Weltverlag uns auch eine neue hebräische Anthologie. W. P. Ludwig Strauß: Die Flut, das Jahr, der Weg (Weltverlag). Das lyrische Talent Ludwig Strauß', dessen neuere Verse jetzt im Weitverlag erschienen sind, ist den Einzeldingen der Natur hingegebener, als das der meisten jüdischen Dichter deutscher Sprache. Es ist stark dort, wo es seiner Neigung zur Epik nicht nachgibt, wo es sich zusammenfaßt und strenger bändigt (etwa: Rheinlied, Der schwebende Garten, Wanderlied), klingt nicht so rein, wenn die Verse allzu sehr an Einzelempfindungen sich verströmen. „Die schwingende Irre noch meistern", diese Frage des Gedichts: „Der schwebende Garten" ist für ihn wesentlich und ernsthaftes Problem. Reines und schönes Empfinden, selten stärker schattiert, sehr oft episch und nicht lyrisch, sollte einmal im Epos, heute vielen ungefällige, nicht „zeitgemäße" _Form sich gestalten. Freudig sei es begrüßt, daß Ludwig Strauß jüdische und hebräische Lieder nachzugestalten versucht; mir will scheinen, daß in seinen Übertragungen jiddischer Liebeslieder z. B. viel reiner und gelöster sein Talent sich zu heben vermag, als in vielen seiner eigenen Verse. Die Auswahl, die in der „Lyrik deutscher Juden" steht, ist von richtigem Empfinden seiner stärksten Gedichte getragen. W. P. Gründung eines Verbandes zionistischer Arbeiter Der Bund ist ein unpolitischer Fachverband aller Chaluzim, die sich in Deutschland für die Übersiedlung nach Erez-Israel vorbereiten, soweit sie nicht Landarbeiter sind und im „Praktikantenbunde" ihre Zusammenfassung gefunden haben. Er stellt eine Parallel-Organisation zum Praktikantenbunde dar. Dem Bund liegen folgende Aufgaben ob:

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