Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 2 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Für Anglisten, Romanisten, Juristen 67 , hat und hierher gekommen ist, um sich hier zu vervollkommnen bzw. eine entsprechende Stellung zu finden: Sie hatte zuerst große Träume und wollte an irgendeiner Universität oder einer anderen Schule ein Lektorat eventuell für Deutsch übernehmen, ist aber ganz erfolglos geblieben. Jetzt wäre sie mit einem anderen Posten zufrieden und kann ihn auch nicht finden. Da sie ausgezeichnet Stenographie schreibt und Maschine, drei Sprachen beherrscht und gute Erfahrungen in der Organisation hat sie hat in der Zionistischen Organisation in Böhmen sehr gut mitgearbeitet — würde man sie vielleicht in unserem Büro unterbringen können, und doch ist es aus verschiedenen Gründen sehr schwer. Sie kann übrigens in London eine Zeit lang leben, da sie Verwandte hat, deren Gastfreundschaft sie genießen kann. Wäre dies nicht, der Fall, wäre es für sie unmöglich, sich hier aufzuhalten. Was die Möglichkeit anlangt, hier englisches Recht und englische Verwaltung zu studieren, so werde ich Ihnen die Auskünfte senden, die man mir beschafft. Ich habe im übrigen zwei Erfahrungen gemacht, die mir bewiesen haben, wie schwer es ist, solche Pläne in England durchzuführen. Es kamen zu uns bzw.' zu mir zwei Studenten aus der Slovakei, die früher in Budapest studiert hatten und ausgeschlossen worden sind. Sie wollten hier weiter studieren, der eine aus wohlhabendem Haus, der andere der Sohn eines ungarischen Gutsbesitzers und Industriellen. Der erstere hat kurz nach seiner Ankunft gesehen, daß es ihm unmöglich ist, an die Universität zu kommen, bzw. sich zu erhalten, und er suchte sich mit aller Energie seinen Unterhalt zu erwerben, nahm zuerst eine schlecht bezahlte Stellung in einem Geschäft gan, ging dann als Schwerarbeiter in die Docks und brachte sich so einige Monate durch. Schließlich ging er nach Amerika, nachdem er sich das Reisegeld erspart hatte. Der zweite hat zunächst in kurzem seine ganzen Mittel aufgebraucht und sucht jetzt, wie ich auf Umwegen hörte, da er ein guter Musiker ist, eine Stellung als Klavierspieler in einem Kino. Auf seinen Universitätsplan hat er wohl verzichten müssen. Das ist die praktische Erfahrung, auf die ich hinweisen kann. Wie weit man in nächster Zeit in Palästina Bedarf an Philologen haben wird, kann ich Ihnen nicht sagen. Es ist schwer, über solche von vielen Umständen abhängigen Fragen ein Urteil abzugeben, wenn man sieht, in welcher Krise sich das ganze Schulwerk befindet. Das gilt natürlich, soweit es sich um ein allgemeines Urteil handelt. Im besonderen Falle werden Leute mit* entsprechender Vorbildung natürlich immer ihren Platz finden. Ob es gerade Philologen sind, die in erster Reihe verlangt werden, weiß ich nicht. Sie können sich übrigens darüber natürlich in Palästina sachverständigere Gutachten besorgen. Was die juristische Tätigkeit anlangt, so sollte man allerdings annehmen, daß ein gewisser Bedarf in Palästina besteht, umsomehr, da vorläufig in England selbst so außerordentlich wenig Kräfte zur Verfügung stehen. Vielleicht informieren Sie sich auch über diese Dinge direkt in Palästina, wo ja jetzt eine Anzahl von mitteleuropäischen Zionisten die juristische Karriere versuchen (z.B. Dr. Waschitz aus Lemberg, Daniel Auster, mit dem Robert Weltsch in Verbindung steht und der sich so sehr für die Friedensgeschichte eingesetzt hat, der Sohn von Rechtsanwalt Farbstein in Zürich und andere). ■m Das ist alles, was ich Ihnen vorläufig zu dem Gegenstand zu sagen habe. Was Frankreich anlangt, so bin ich wenig informiert. Wahrscheinlich sind die Verhältnisse in Paris günstiger, schon wegen der niedrigen Valuta; andererseits ist es natürlich heute für * Palästina wichtiger, das englische Milieu kennen zu lernen, als u das französische. * # (