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Der jüdische Student · 1921-03-01 · Heft 2 (März 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 2 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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44 Die*Organisation der, Erziehung Die Organisation der Erziehung Thesen zur Erziehungstagung. Von Franz Meyer, Heidelberg I. Die Anarchie 1. Wir haben auf den letzten Kartelltagen ein wohlabgewogenes und gut gegliedertes Erziehungsprogramm aufgestellt, dessen inhaltliehe Forderungen weit über diejenigen hinausgehen, die man vor dem Kriege erhoben hat. Jeder weiß, daß die wirklichen Erziehungsleistungen nicht nur nicht den neu erhobenen Ansprüchen gefolgt sind, sondern erheblich hinter den Ergebnissen der Vorkriegserziehung zurückbleiben. Wenn man von einer Krise im Kartell spricht, so wird man hier ihren eigentlichen Grund suchen müssen. Das Schwinden der allgemeinen zionistischen Verständigungsmöglichkeit, die Diskrepanz zwischen Gegenstand und Niveau bundesbrüderlicher Aussprache bedingen den Zerfall der Verbindungen und das immer erneute Auftauchen individualistischsektiererisch gefärbter Gruppenideologien. 2. Woran liegt das? Daran, daßder Aufstellung des neuen Erziehungsprogramms keine Neuorganisation der Erziehungsarbeit gefolgt ist. Wir leben in einem Zustande völliger erzieherischer Anarchie. Unsere jungen Bundesbrüder besuchen zwar eine Unzahl von Kursen, Fuxenstunden usw., aber eine Stufenfolge und Konstanz ist durchgängig nicht einmal dort erreichbar, wo der betreffende Bündesbruder die gesamte Fuxenzeit an einem Orte verbringt. Meistens aber wechselt er die Verbindung und fängt so jedes Semester nach einem neuen Plane zu arbeiten an. Betrieb statt Büdung, systemloser Unterricht statt wissensmäßig fundierter Erziehung ist das Resultat. 3. Ebenso ist die Auswahl, Zusammenarbeit und Ausbildung der Erzieher völlig anarchisch. Jeder Antrittskonvent sucht aufs neue ein Semesterprogramm zusammenzustöppeln, Kursleiter und Fuxmajore aufzutreiben. Die Wahl der Geeigneten ist dem Glückszufall überlassen. Daß unter diesen Umständen nicht einmal die rein wissensmäßigen Anforderungen erfüllt, geschweige denn erzieherische Wirkung erzielt werden kann, dürfte klar sein. IL Die Organisation 1. Was ist zu tun? Zunächst ist die Fluktuation der Bundesbrüder möglichst einzuschränken. Daß dies auf rein mechanischem Wege nicht geht, zeigt der Mißerfolg des Überweisungsressorts. Erst eine weitergehende Organisation des Erziehungswesens wird die psychologischen Hemmungen beseitigen können,, an denen bisher alle planmäßige Gruppierung der Bundesbrüder scheiterte.

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