Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 2 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Politische Umschau 43 anerkannt wurden und heute nur noch von den unverantwortlichen kleinen Geistern zur Schürung der Gegensätze kolportiert werden, bleiben freilich eine Reihe wichtiger Differenzpunkte, die sich auf die Frage der Erziehung und Ausbildung der zionistischen Jugend, auf die Rolle der Privatinitiative beim Aufbau des Kolonisationswerkes in Erez Israel und auf die Betonung des nationalen Charakters der Bewegung beziehen; aber kein einziger" Punkt, der — etwa wie beim Misrachi oder den sozialistischen Fraktionen — eine programmatische Grundlage für die Gründung eines Sonderverbandes bilden kann; mag man radikale Einstellung unserer Jugend auf Palästina und nur auf Palästina für richtig oder für falsch halten, mag man dem wirtschaftlichen Individualismus eine möglichst freie oder möglichst eingeschränkte Position in Palästina zubilligen, mag man es für zulässig oder für unzulässig halten im Hinblick auf die erwünschte und notwendige Mitarbeit der nichtzionistischen Judenheit Kompromisse einzugehen, unbegreiflich tJleibt es, warum es unmöglich sein soll, derartige Fragen nicht innerhalb des deutschen Zionismus zu klären und zu entscheiden, warum verschiedene Auffassung über die Zweckmäßigkeit der Arbeitsmethoden zum Bruch und zur Spaltung führen soll. Wir wollen im Rahmen dieser „Umschau" in keine prinzipielle Erörterung dieser Gegensätze eintreten, sondern uns damit begnügen, unsere Stellungnahme zu jenen Fragen, die nach dem oben Ausgeführten nicht zweifelhaft sein kann, durch die programmatische Darlegung unserer Auffassung zu skizzieren: Wir erblicken im Zionismus nach wie vor die nationale Wiedergeburt des Judentums in der Diaspora und in Palästina und halten die eine ohne die andere nicht für denkbar. Wir betonen daher? aufs nachdrücklichste die nationalerzieherische Aufgabe des Zionismus im Galuth. Wir halten die radikale Einstellung unserer Jugend auf ein Leben in Palästina für absolut erforderlich und fordern die energischste Unterstützung unserer Palästinapioniere durch die Organisation. Wir verlangen, daß der Aufbau Palästinas im nationalen Geiste erfolgt und verwerfen einen wirtschaftlichen Individualismus in Palästina, der sich dem nationalen Gesamtinteresse nicht unterordnet. Wir wünschen Zusammenarbeit und Bündnisse mit allen Kreisen des Judentums, die an der Errichtung der nationalen Heimstätte in Erez Israel mitarbeiten wollen, aber wir lehnen jedes Kompromiß ab, das den nationalen Charakter der zionistischen Bewegung abschwächt. Wir bestreiten niemandem seinen Zionismus, der sich zum Baseler Programm bekennt, aber wir glauben, daß das Baseler Programm verwirklieht werden kann nur auf Grund einer über ein bloßes Bekenntnis hinausgehenden restlosen Hingabe an das nationale Ideal und die daraus resultierende Bereitwilligkeit des einzelnen zu jedem Opfer für Volk und Land.