Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 2 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Politische Umschau 41 dieser Gegensätze vollständig fern, von einem „besseren" Zionismus der einen, von einem „schlechteren" der andern zu sprechen* und wenn Weizmann die gegenwärtige Krise — scharf und treffend — als die Frage einer geistigen Uganda bezeichnet, hat, wollte auch er, dessen dürfen wir sicher sein, keineswegs ein moralisches ^Werturteil für die eine und gegen die andere Gruppe fällen; wohl aber liegt in diesem Worte Weizmanns die Mahnung für uns, auf der Wacht zu stehn — wie damals die Zione-Zion — damit die Reinheit und Klarheit der zionistischen Idee nicht getrübt werde, damit die nationale Erweckung des Judentums nicht gehemmt werde, um vermeintlicher praktischer Augenblickserfolge willen. Vermeintlicher — denn das Beispiel Amerikas hat heute schon gezeigt, daß der Zionismus, der auf die nationale Bewegung im Diasporajudentum nicht mehr entscheidendes Gewicht legen zu sollen vermeint, der Zionismus mit nationaler Palästina-Kolonisation identifiziert und diese Kolonisation mechanisch-technisch mit geschäftsmäßiger Methode realisieren will, daß dieser nüchterne Zionismus nicht Schwungkraft und Elan genug hat, um den Zionisten die heute von der Notwendigkeit der Stunde gebotene materielle Opferwilligkeit zur unabweislichen inneren Verpflichtung jedes einzelnen zu machen, geschweige denn die Kapitalien der Nichtzionisten zu mobilisieren. Herr Brandeis, der noch vor kurzem öffentlich erklärte, der Keren hajessod mit seiner Maasser-Verpflichtung sei eine ostjüdische Träumerei, ungeeignet für den nüchternen amerikanischen Zionisten, — eine merkwürdige Erklärung, wenn man bedenkt, daß Herr Brandeis und mit ihm die 40 ameri- - kanischen Delegierten auf der Jahreskonferenz ohne Ausnahme in Feierlicher Sitzung für die Proklamierung des Keren hajessod ihre Stimme abgegeben haben, — Herr Mack, der den Delegiertentag der amerikanischen Zionisten in Buffalo veranlaßt hat, den Keren hajessod, wie die Organisation ihn in London beschlossen hat, für Amerika abzulehnen, diese Herren und die anderen Führer der amerikanischen Zionisten rufen jptzt Herrn Dr. Weizmann» Herrn Naiditsch, Herrn Zlatopolsky nach Amerika, damit diese ostjüdischen Träumer auch dort die Herzen erwecken. Im benachbarten Kanada, das während des Krieges seine zionistischen Direktiven von New York bekam, ist jetzt trotz aller Gegenaristrengungen von Richter Mack, der die kanadischen Zionisten zur Auffassung der amerikanischen Führer zu bestimmen suchte, der Keren hajessod im Londoner Sinne beschlossen worden. Herr Julius Simon, der die amerikanische Auffassung des Zionismus in der Exekutive mit äußerster Konsequenz vertrat, ist aus der Leitung ausgeschieden, als er sah, daß er das Vertrauen der zionistischen Massen in Europa nicht besaß, daß er aber auch die erwartete finanzielle Hilfe aus Amerika nicht erhielt, und wir sehen — wenn auch nur in Gestalt eines Provisoriums — eine neue Geschäftsführung der Organisation in Büdung begriffen, die durch ihre Zusammensetzung keinen Zweifel daran läßt, daß sie, bei aller