Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 2 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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40 daß Weizmänn, der „Praktische" unmöglich der berufene Führer unserer Politik sein kann, weil — so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf! ein anderer, Herr Professor Carl Levin, hat kürzlich in Hamburg seiner Uberzeugung von der politischen Unfähigkeit Weizmanns mit den drastischen Worten Ausdruck verliehen, Weizmänn habe Balfour nicht hindern können, die Deklaration abzugeben! Es hat nicht viel Sinn, mit diesen Politikern zu polemisieren; ein Teil von ihnen, selbst steril und ohne Programm, begleitet? seit Jahren den Gang der zionistischen Entwicklung mit Deklamationen und Wehklagen, wie der Chor die Geschehnisse in der griechischen Tragödie, ist aber aufrichtig und ehrlich durchdrungen von der Berechtigung und der Notwendigkeit seiner Rolle; andere, die diese Dinge jetzt hier in Deutschland wieder aufzuwärmen versuchen, wo sie keineswegs irgendwie aktuell sind, glauben offenbar, damit ein zugkräftiges Losungswort für den politischen Kampf innerhalb der deutschen Zionisten gefunden zu haben, ein Losungswort, das dazu dienen soll, die wirklichen Gegensätze in der Einstellung zur Jugendbewegung, zur Frage der Ausbildung deutscher Chaluzim usw. zu verdunkeln und das eigene, sonst offenbar zu dürftige Programm mit einem — freilich etwas abgenutzten und verstaubten — politischen Mäntelchen zu umhüllen. Damit kommen wir zur innerpolitischen Lage im Zionismus,, die dringend baldiger Klärung bedarf, damit die Organisation die Einheit und mit ihr die Schlagkraft und die Leistungsfähigkeit wiedergewinnt, an denen sie in den letzten Monaten infolge von inneren Krisen Einbuße erlitten hatte. An und für sich ist es vielleicht nicht verwunderlich, daß gerade jetzt ernsteiund tiefgehende Meinungsverschiedenheiten in unsern Reihen entstanden. Einerseits verlangt die Dringlichkeit der durch die rapide äußere Entwicklung über Erwarten schnell^ aktuell gewordenen großen kolonisatorischen Aufgaben Leistungen und Entscheidungen von größter Tragweite für den Aufbau und die ganze Zukunft unseres Werkes in Erez Israel, andererseits müssen diese Entscheidungen vom europäischen und amerikanischen Zionismus gemeinsam getroffen werden, die während des Krieges, als der Zusammenhang zwischen den Teilen der Organisation gelockert war, eine sehr verschiedenartige Entwicklung genommen und nach dem Kriege noch nicht ausreichend Gelegenheit zur Aussprache und zur Verständigung gehabt haben, was aber umso nötiger gewesen wäre, als 90 Prozent der amerikanischen Zionisten erst während des Krieges das Bekenntnis zum Baseler Programm abgelegt haben, und — mit Naturnotwendigkeit — nicht in wenigen Jahren ijffl abgeschnitten von der Welt des europäischen Zionismus eine Entwicklung durchmachen konnten, wie sie der Zionismus in Europa in 2 72 Dezennien durchlaufen hat. Es liegt uns bei der Feststellung