Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 2 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Politische Umschau , 39 Palästina einmal in die Hände eines Mannes gelegt werden könnte, der — bei der Elastizität aller wichtigen Vertragsparagraphen — dem Buchstaben,, aber nicht dem Geiste des Mandats getreu sehr zu unserm Schaden in Palästina regieren könnte. Jabotinsky leitet aus diesem Mangel mit Recht weitere wichtige Aufgaben für un~. sere künftige Politik ab. Ihm danken wir auch den energischen Hinweis auf die, Bedeutung der Frage einer jüdischen Garnison in Palästina, die in dem Augenblick akut wird, in dem England seine Truppen aus dem Lande zurückzieht, eine Frage, die kühlen Blutes auf Grund der realen Tatsachen und Notwendigkeiten und nicht irgendwelcher Sentiments pro oder contra geprüft werden muß. Wir erwähnen aus der Fülle des Aufgabenbereichs der zionistischen Palästina-Politik nur noch die durch das Mandat gegebene Notwendigkeit von Verhandlungen mit Frankreich wegen der Nutzbarmachung der Wasserkräfte der infolge der neuen Grenzen außerhalb des Landes bleibenden Flußläufe im Norden, die Frage des Ostjordanlandes und endlich — last not least — die Frage unserer Beziehung zu den Arabern, um zu zeigen, daß die zionistische Organisation — selbst nach Bestätigung des Mandats durch den Völkerbund — ihre Palästinapolitik keineswegs als abgeschlossen betrachten darf. Dieses Faktum und die Tatsache, daß Weizmann und Sokolow in den letzten Jahren mit Erfolg Politik gemacht haben, wie sich nicht leugnen läßt, scheint in den Köpfen einiger Zionisten eine gewisse Verwirrung angerichtet zu haben. Von allen Seiten melden sich, und meist, gar nicht in böser Absicht, brave Zionisten, halten Reden und schreiben Aufsätze: „Seht Ihr wohl, wir — die „Politischen" — haben wieder einmal recht behalten! Politik, darauf kommt's an! Ihr Praktischen habt das nie begriffen und es nie wahrhaben wollen." Man wärmt alte Gegensätze auf, beschwört ganz ohne Not den Schatten Herzls, zieht alte Schlagworte aus dem Dunkel der Vergangenheit, schiebt dem Gegner Dinge in die Schuhe, an dieser nie gedacht hat, freut sich, daß man recht behalten hat und vergißt dabei zwei Kleinigkeiten: erstens die Tatsache, daß die ganze Politik Weizmanns nur Erfolge haben konnte, weü unter dem Einfluß der „Praktischen" in den letzten fünfzehn Jahren in Palästina immerhin eine ganze Reihe von zionistischen Positionen geschaffen wurden — es ist schon mehrfach darauf hingewiesen worden, daß wir die für uns günstige Ausbiegung der Nordgrenze Palästinas nur dem Umstände verdanken, daß auch die französische Regierung die Berechtigung unserer Forderung anerkannt hat, die Kolonie Metullah dem jüdischen Palästina einverleibt zu wissen — zweitens die etwas unbequeme Feststellung, daß der erfolgreiche Initiator 3er ganzen Politik der letzten Jahre eben jener Chaim Weizmann ist, der seinerzeit als ein Hauptführer der „Praktischen" verschrien und bekämpft wurde. Einer der „politischen" Wortführer hat denn auch mit anerkennenswerter Konsequenz die Folgerung gezogen,