Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Unsere Arbeit in cW Studentenschaft. 29 A Aus alledem ergibt sieh für -unsere Jüdischen Gruppen an den Deutschen Hochschulen folgendes Programm: 1. Die Jüdischen Gruppen sind Parteien der deutschen Studentenschaft 2. Eine Mitarbeit an den Aufgaben der deutschen Hochschulen ist nicht ausgeschlossen, soweit diese Aufgaben nicht ausschließlich deutsch-kulturelle Interessen betreffen. (Allerdings wird praktisch infolge der geringen Stärke der Jüdischen'Gruppen und infolge der anderweitigen Inanspruchnahme ihrer Mitglieder durch sonstige jüdische Arbeiten eine Mitarbeit nur in den Ressorts in Frage kommen, in denen wirklich jüdische Interessen betroffen sind.) -3. Die Jüdischen Gruppen wollen die jüdischen Studierenden gegen Angriffe auf ihre rechtliche und wirtschaftliche Stellung, sowie gegen Beleidigungen schützen. (Andere Aufgaben ' kommen vorläufig an den deutschen Hochschulen nicht in Frage.) Soweit diese Richtlinien inländische Studierende betreffen, ist eine Verschiedenheit von den Richtlinien des K. C. dem Programme nach nicht vorhanden (denn die Forderung der kulturellen Autonomie ist bei uns noch nicht praktisch). Hinsichtlich der Ostjuden steht auch der K. C. seinem Programm nach auf dem Standpunkt, daß das völkische Prinzip abzulehnen und daß gegen judenfeindliche Maßnahmen von jüdischer Seite aufzutreten ist. Sollten in Zukunft sich einmal K. C.er weigern, in diesen Fragen mit uns zusammen zu arbeiten, so wäre das eine — auch nach den Grundsätzen des K. C. — unnötige Sabotage jüdischer Gemeinschaftsarbeit. ' Wir müssen in diesem Falle die jüdische Öffentlichkeit nachdrücklichst darauf aufmerksam machen, daß der K.C. seine Parteiinteressen denen der jüdischen Gemeinschaft voranstellt. Aus dem Zielder Wahrung^ jüdischer Interessen ergibt sich, daß eine Identifizierung mit einer anderen — sei "es demokratischen oder sozialistischen — Partei ausgeschlossen ist. Die auf unseren Antrag von der Berliner Jüdischen Gemeinde angefangene Hilfsaktion zugunsten der jüdischen notleidenden Studierenden hat sich in der Weise entwickelt, daß eine Kommission eingesetzt worden ist, die sich aus-einem Vorstandsmitglied, zwei Repräsentanten (darunter Bundesbruder Heinrich Löwe) und Vertretern der jüdischen Korporationen und Wohlfahrtsorganisationen zusammensetzt. Es wurde beschlossen: 1. Es soll eine Sammelaktion zugunsten der notleidenden jüdischen Studenten unternommen werden, die von der Berliner Jüdischen Gemeinde unterstützt wird. 2. Die Gründung einer »jüdischen mensa academica soll versucht werden. 3. In Räumen der Berliner Jüdischen Gemeinde soll ein Vermittlungsamt geschaffen werden, das sich mit folgenden Aufgaben befassen soll: a) Vermittlung von Arbeitsgelegenheit, Büchern, Wohnung, eventuell Freitischen und Büchern; b) auf unseren Antrag auch mit dem Rechtsschutz der ostjiidischen Studierenden, da die wirtschaftliche Notlage bei diesen zum Teil damit zusammenhängt, daß ihnen im Gegensatz zu anderen, schlechter vorgebildeten Ausländern die Immatrikulation versagt wird. c) Ferner ist auf Antrag von Kurt Rosenbaum die Einrichtung einer Berufsberatung in Aussicht genommen, die gewissermaßen prophylaktisch der akademischen Not dadurch abhelfen soll, daß sie versucht, junge Leute werktätigen Berufen zuzuführen.