Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 das im Kriege & Ostjuden den jüdischen Soldaten im eindringenden Deutschen so reichlich geübt haben. — Es ist klar, daß jede Berührung mit Menschen von solcher Art und solchem Schicksal ihnen und uns selbst überreichen Gewinn bringen muß, daß hier nicht nur ein unermeßliches Hilfswerk zu leisten ist sondern daß denen, die es üben, hohe erzieherische Werte zufließen werden. \ Die jüdischen Arbeitsämter und Arbeiterfürsorgeämter haben zuerst die Arbeit in Angriff genommen. Satzungsmäßig nur auf die vitalsten drei Fragen — .Arbeit, Unterkunft, Rechtsschutz^— eingestellt, sind sie naturgemäß längst über diese materiellen Aufgaben hinausgegangen und leisten kulturelle und überhaupt jede menschliche Hilfe. Die berufliche Tätigkeit in diesen Stellen führt nicht nur zu den mannigfachsten verwaltungstechnischeni und wirtschaftlichen Fragen, sondern vermittelt eine Fülle von Kenntnis ostjüdischer Lebensverhältnisse und jüdischer Menschen. Wer von Euch sich in Deutschland auf ein wirklich jüdisches Leben vorbereiten will, für den ist die berufliche Tätigkeit in einer dieser Stellen die beste praktische Vorbereitung. Freilich -verträgt der Verwaltungsapparat nur eine begrenzte Zahl von Angestellten. Aber es bleibt eine Menge für die zu. tun übrig, welche den Arbeits- und Arbeiterfürsorgeämtern nicht von Berufs wegen eingegliedert sind. Es liegt schon in der Natur jeder Verwaltungsstelle, daß sie mehr auf den internen Dienst eingestellt sind und nur sehr begrenzt die Einzelheiten beobachten kann, die sich außerhalb ihrer Diensträume abspielen. Und hier, in dtesen Dingen, die ich unter dem Namen „Außendienst" zusammenfassen möchte, liegt für Euch Alle, liebe Bundesbrüder, eine schöne und große Aufgabe. Nur einige Einzelheiten hebe ich hervor: Zunächst gilt es> dafür zu sorgen, daß möglichst alle Einwanderer von den Arbeitsimd Arbeiterfürsorgeämtern überhaupt erfaßt werden, daß jede Stelle ihre Leute findet, und jeder Mann die Stelle, die ihm helfen kann. Dazu kann ein Bahnhofsdienst dienen, wie er in Berlin, Köln und vielleicht auch anderen Städten schon eingerichtet ist, aber auch Streifzüge in jüdischen Stadtvierteln und Hotels. Sind Einwandern* dem Arbeitsamt schon gerneidet, so wird es einer Prüfung und oft auch einer ständigen Beobachtung ihrer Verhältnisse bedürfen. Die Angaben des Beteiligten selbst geben — teils gewollt, teils ungewollt — ein mehr oder weniger falsches Bild von seiner Lage. Das Arbeitsamt' hat nidEt den Beamtenapparat, alle diese Angaben in der Wohnung oder an der Arbeitsstelle des Beteiligten oder durch Nachfrage bei seinen Beikannten. Landsleuten usw. nachzuprüfen. Freiwillige Helfer müssen sich dafür zur Verfügung stellen. — Oft entsteht zwischen Amt und Schützling eine dauernde Beziehung durch fortlaufende Gewährung von Unterstützung, leihweise Überlassung von Arbeitsgerät usw.; oft kann auch wegen wirtschaftlicher oder moralischer Unerfahrenheit oder Unzuverlässigkeit ein dauernder Konnex erwünscht sein. Dann müßt_ Ihr als „Pfleger' oder „Patrone" usw. bereit sein, Euch ständig um einen oder einige bestimmte Schützlinge zu bekümmern und über ihre Angelegenheiten auf dem laufenden zu halten. Viel mannigfaltiger und inhaltsreicher sind die Aufgaben auf kulturellem Gebiet. Ida sprach schon von den Bibliotheken, Lesehallen, Teestuben, Arbeiterheimen, die an manchen Orten schon bestehen, an behr. vielen aber noch fehlen und fast überall noch des Ausbaus bedürfen. Die Ostjuden sind ein Element, das viel jüdisch-kulturelle Inhalte, aber wenig Talent, sich selbst zu organisieren, mitbringt. Helft