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Der jüdische Student · 1921-01-01 · Heft 1 (Januar 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 1 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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25 erklärlich sei. Eine solche Einstellung ist grundfalsch. Diese Ostjuden sind moralisch nicht geringer zu bewerten als Westjuden. Wahr ist, daß sie geschäftliche Praktiken und überhaupt Moralbegriffe haben, die vielfach mit den unsrigen nicht übereinstimmen. Aber man darf diese Dinge nicht mit dem Maße irgendeines einzelnen europäischen Staates messen. Man muß für die Beurteilung einen Standpunkt zu gewinnen suchen, der außerhalb aller Gegebenheiten eines konkreten Milieus starrer Moralbegriffe liegt. Nicht eine bestimmte Moral, sondern nur d i e moralische Anschauung überhaupt kann entscheiden. Von einer solchen Warte aus wird sich beispielsweise zeigen, daß die Verletzung der Kriegsernährungsgesetze in Deutscnland, die Gefährdung der Säuglingsernährung durch die Schleichversorgung mit Butter — Vorgänge, an denen wir alle beteiligt sind — alierschwerste Unmoralität bedeutet, weil sie ein Verbrechen gegen. die Gesamtheit ist, und daß sie schwerer wiegt, als ein Vergehen gegen das Eigentum eines einzelnen. — Es soll nicht entschieden werden, ob jene Einwanderer oder wir Westjuden moralisch höher stehen. Es genügt, einzusehen, daß man sich davor hüten muß, als Maßstab denjenigen moralischen Zustand anzulegen, der in Deutschland, England oder sonst einem einzelnen Lande tatsächlich besteht. Kulturell ist der Ostjude uns meist überlegen. Er ist in Traditionen fest verwurzelt, wir sind meist e n t wurzelt. Ihm ist der Begriff des jüdischen Volkstums, den wir uns erst durch Abstraktionen erkämpfen müssen, eine angeborene Selbstverständlichkeit; zu Abstraktionen und Intellektualismen greift der Ostjude nur, wenn er etwa den ihm gefühlsmäßig bewußten völkischen Standpunkt leugnen will. Treiben wir zumeist Wissenschaft nur um eines praktischen — beruflichen — Zweckes willen (wodurch Wissenschaft eigentlich schon aufhört, reine Wissenschaft zu sein), so befaßt sich der Ostjude mit geistigen Dingen — vor allem dem. Talmud — um ihrer selbst willen. Vor allem aber stecken in' diesen Menschen wirklich jene jüdischen Kulturinhalte, die zu erringen wir uns so sehr — und leider so oft vergeblich — abmühen- Der Ostjude ist der wirkliche Hüter jüdischen Geisteslebens*). In Deutschland haben diese Menschen nichts zur Befriedigung ihrer kulturellen Bedürfnisse vorgefunden. Sie finden keine Wohnung und vegetieren in den berüchtigten Hotels jüdischer Viertel. Statt der östlichen Arbeiterheime und zionistischen Klubräume finden sie bei uns dieselben berüchtigten Ostjuden-Hotels und -Kneipen, in denen sie zwar ausgepowert werden, aber miserabel versorgt sind. Bibliotheken, Lesehallen usw. fehlten anfangs ganz. Manches ist in den letzten zwei Jahren nach dieser Richtung geschehen. Unendlich viel ist noch zu tun. Was aber noch gänzlich fehlt, das ist die Annäherung des Westjuden an den Ostjuden, das brüderliche und gastliche — ja, auch nur menschliche — Entgegenkommen, jenes impulsive Heranziehen jedes jüdischen Bruders, *) Walter Preufi führte in der Diskussion hierzu au?, daß die nach "Westdeutschland eingewanderten ostiüdischen Arbeiter in der großen Mehrzahl erschreckend wenig indische Kultur in sich hir.ien, daß sie bewußt den Begrin des Jüdisch-Nationalen — vermuilica a::s radikalsoziaiistischer Anschauung heraus — ablehner. und daß nie;.: Me-.«ch^n uns, >. .-.der. nur wir ihnen Kultur überhaupt und vor ai'.em jüdische Knltir \v:r..i-Te>. k-' r. u-.n. Da ich in der Diskussion keine Gelegenheit far.d, ihm zu erwkiern, m'■chte ich es hier k irr nacbhn]<rj. V.Vnn Ostjaden von der Ex.s'er.z einer jüriischt-n Nation nichts wi;;.;-a wollen. so hr-ruht da? v-rmurli'-H nicht am der hei ur« landläufigen n*-irr.:!rjr.t*srhen .\"<.-h.vu-r.g, d-3 die J-'den k--ir.e .\".i:>n s*»:ei. I her diese Frage gib: es unter den ostjü.: sehen?d.*---n *a «d.l k:u::n vir.»-n Sfeit lv -.d«-rn es handelt sich dann nur um den sozialistischen '"Oer k m m *: u: s t. ~h e n .Staadt. : r k t, da?, alle — an Sich noch existierenden — Nationalitäten-t'ntervch!ede ausgeräumt werden r.xon Sut leugnen nicht „die Existenz der Nation, sondern verlangen nur aus r.a:->nahstw r..-n Sr* '-gur.gen heraus ihre Überwindung. Im übrigen ist es möglich, daß in der Schwerindustrie ^"e?ider.t>■;r.* Vs ••. >:jf:d:<. h*s ArbeitermrvVrial zusarnmer gefunden hat. das sich kulturell v.-.n d -n 4 t u/t- . ind-.-rtu:-: wesentlich«::r.terscheidet Vielleicht habrn sich de: Schwerindustrie vorv.e;-".!-. I.eut« ^■-•,'e-.d -\ die ir.te'li-ktr.eirnivht viel mitbrachten, je ier.f .ils kann ich e? ir.lr ur so erkl -.rvr. d.-.u W a 1 - ■• r Treuß" Beobachtungen von den meinen so weser.tl: h abweichen. Lvr Yerri,

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