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Der jüdische Student · 1921-01-01 · Heft 1 (Januar 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 1 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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24 Arbeitsmöglichkei'en der Bundesbrüder usw. die wir heute in Deutschland haben, sind fast durchweg nach der Revolution nach Deutschland gekommen. Die , Gründe, aus denen sie hier Zuflucht suchen, sind in großen Zügen bekannt und können jedenfalls hier nicht im einzelnen besprochen werden, sind aber in F.A.Kaufmanns bekannter Broschüre „Die ostjüdische Einwanderung" eingehend dargestellt; daselbst finden sich auch zahlenmäßige Angaben über den Umfang der Wanderung, soweit solche überhaupt gemacht werden können. Unter den neuen Einwanderern (d. h. nach der Revolution) sind ganz überwiegend Deserteure, also meist Männer, sehr wenig Frauen, und zwar fast ausschließlich junge Leute unseres Alters. Vor Ausweisung und Internierung sind sie durch die mühevolle Arbeit der Arbeiterfürsorgeämter bisher leidlich geschützt worden, trotz des Verbotes des Grenzübertritts und trotz der darauf gesetzten Strafe, Wirtschaftlich ist ihre Lage zumeist fürchterlich. Die meisten kommen schon arm an die Grenze. Wer Geld mitbringt, zahlt häufig zunächst erhebliche Bestechungsgelder, um über die Grenze zu kommen, und danach, wenn er aufgegriffen wird, eine nicht unbedeutende Strafe für den Grenzübertritt. Was dann noch übrig bleibt, oder was ein solcher Flüchtling aus der Heimat geschickt bekommt, ist schnell verzehrt, wie die Teuerung in Deutschland und die zehnfach schlechtere Valuta Polens es bedingen. Der eigenen wirtschaftlichen Existenz in Deutschland stellen sich erhebliche Hindernisse in den Weg. Die Demobilmachungsämter setzen überall, wo nicht etwa notorische Not an einheimischen Kräften besteht, den ostjüdischen Arbeiter und Angestellten aus ihren Stellungen zwangsweise heraus. Wer aber den einheimischen Arbeitsmarkt einigermaßen kennt, der weiß, wie groß auf fast allen Gebieten die Zahl der Arbeitslosen ist Die Schwerindustrie des Westens ist fast das einzige Gebiet, in dem Ostjuden noch untergebracht werden können. Dabei sind gerade diese ostjüdischen Arbeiter für die Unterbringung" in produktiven Berufen besonders geeignet. Die Statistik hat ergeben, daß unter diesen Menschen etwa 60°/o beruflich der Industrie und dem Handwerk angehören, nachdem vor dem Kriege unter den Juden aller Länder, natürlich auch des Ostens, nur etwa 30-—35<Vo produktiven Berufen angehört hatten. Söhne reicher Kaufleute oder Fabrikbesitzer kommen sehr häufig als Schneider, Schuster usw. nach Deutschland. Hier haben wir tatsächlich eine bereits weit vorgeschrittene Berufsumsciiichttmg vor uns. Und in Paranthese sei betont, daß ein eingehendes Studium dieser Umschichtung und ihrer Erfolge von unermeßlichem Werte für das Problem der Berufsumschichtung bei uns selbst sein müßte. Um das gewerbliche Können der Einwanderer trotz -der von den DemohilmachungsbehÖrden geübten Praxis nutzbar zu machen, ist man zur Gründung von Handwerkergenossenschaften und Handwerksstuben übergegangen, weil die selbständige oder genossenschaftliche Ausübung eines Handwerks Beschränkungen nicht unterliegt und — nach dem Friedensvertrage — auch nicht unterworfen werden kann. Nach dieser Richtung liegen erst Anfänge und Versuche seit Mitte 1920 vor, die zwar als vollkommen geglückt bezeichnet werden können, aber doch erkennen lassen, daß wegen der großen Kosten der Arbeitsgeräte, Maschinen usw. und wegen der schwer zu lösenden Raumfrage nur einem begrenzten Kreise auf diese Art wird geholfen werden können. Es ist noch einiges über die moralische und kulturelle Qualität der Einwanderer zu sagen. Man pflegt in jüdischen — leider auch zionistischen — Kreisen Deutschlands vielfach mit der Gebärde verzeihenden Verständnisses darauf hinzuweisen, daß die moralische MinderwerugKeir dieser Menseneii aus. inrern Milieu und ihrer Vergangenheit y

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