Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeitsmöglichkeiten der Bundesbrüder usw. 23 ihre Jugendarbeit, leistet und sich auf diese Weise einen Nachwuchs großzieht, mit dem sie nicht, wenn er Abiturium macht, wieder ganz von vorn beginnen muß. Je mehr wir das Keilen jüdisch völlig unvorgebildeter Menschen durch systematische Jugendarbeit ersetzen, mit umso höheren Forderungen können wir an unsere Füxe herantretend Dann wird auch die Möglichkeit bestehen, im K. J. V. systematisch Berufsberatung zu betreiben. Arbeitsmöglichkeiten der Bundesbrüder in den jüdischen Arbeitsämtern und Arbeiterfürsorgeämtern Referat von Max Jacobsohn, Breslau *, Liebe Bundesbrüder! * An diejenigen unter Euch, die schon einen festen Beruf und eine feste Lebensstellung haben, wende ich mich nur mit wenigen Worten: es ist selbstverständliche Pflicht jedes Zionisten, sein berufliches Können grundsätzlich unentgeltlich der Ostjudenhilfe zur Verfügung zu stellen, als, Rechtsanwalt Rechtsschutz, als Arzt Behandlung unentgeltlich zu gewähren; es ist ebenso Pflicht eines jeden, der nicht ganz ohne organisatorische Befähigung ist, in den Organisationen, die der Sache der Ostjuden dienen, nach Kräften mitzuarbeiten. In allem Folgenden aber spreche ich vorwiegend zu denen, die noch nicht mit festen, markigen Knochen auf der wohlgegründeten,- sicheren Erde stehen, zu den Aktiven, Inaktiven und jüngeren Alten Herren. Man streitet viel über die Heranziehung dieser Jüngeren zu sogenannter Außenarbeit; man sollte „die Äpfel nicht pflücken, ehe sie reif sind", zur Arbeit nicht die heranholen, die selbst noch Gegenstand der Erziehungsarbeit sind. Sicher ist in dieser Anschauung mindestens ein richtiger Kern enthalten. Aber ebenso sicher muß dieser Gesichtspunkt ausscheiden, wenn es sich um Aufgaben handelt, die nur von solchen jungen Menschen übernommen werden können, oder wenn eine Arbeit selbst einen hohen erzieherischen Wert für die Jugend enthält. Dies ist der Maßstab, der in den folgenden Betrachtungen an die Dinge gelegt wird. " . Wenn ich im übrigen nur von Ostjuden spreche, obwohl die Arbeitsämter auch umfassende Aufgaben an der westjüdischen Jugend zu lösen haben, so tue ich das, weil dieser letztere Teil der Aufgaben schon in den Referaten von Fritz Löwensteiii und Feilchenfeld erörtert ist. Ostjuden gab es innerhalb Deutschlands natürlich schon vor dem Kriege in erheblicher Zahl. Ein bis dahin in Deutschland fremdes Element — der ostjüdische Arbeiter — kam während des Krieges, teils freiwillig, zumeist unter m^hr oder weniger starkern Zwang, zu uns herüber. Diese während des Krieges eingewanderte Schicht ist fast vollständig wieder nach der östlichen Heimat zurückgekehrt, die einen freiwillig, die andern gezwungen, wieder andere,. weil sie hier arbeitslos wurden, sehr viele auch, weil man sie, nachdem ihnen ein kurzer Heimarsurlaub bewilligt war, bei ihrer Rückkehr von diesem nach der Revolution nicht» wieder nach Deutschland hereinließ. Die ostjüdischen Flüchtlinge,